Eckels Erbe versteigert: «Riesenkontrast zur WM in Katar»

Horst Eckel war einer der «Helden von Bern». Nun wurde sein Nachlass versteigert. Die Auktion zeigt: Die Kluft zwischen der Eckel-Generation und der Fußball-WM in Katar könnte kaum größer sein.
Die offizielle Siegermedaille der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 aus dem Nachlass von Horst Eckel. © Helmut Fricke/dpa

Knapp ein Jahr nach dem Tod von Horst Eckel ist der Nachlass des Fußball-Weltmeisters von 1954 bei einer Einzelstück-Versteigerung in Mannheim unter den Hammer gekommen. Als begehrtestes Exponat wurde das Trikot des Pfälzers aus dem legendären Finale in Bern am Samstag von einem anonymen Telefonbieter für 78.000 Euro gekauft. Derselbe Bieter ersteigerte auch Eckels WM-Goldmedaille für 76.000 Euro und Eckels WM-Endspielschuhe für 20.000 Euro.

«Es handelt sich um einen Deutschen», sagte Auktionator Wolfgang Fuhr über den Bieter. Der Mann habe angedeutet, die Zeugnisse von einem der wichtigsten Momente deutscher Sportgeschichte der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen. Fuhr zufolge waren auch Bieter aus dem WM-Gastgeberland Katar und aus China an der Medaille interessiert.

Während der zweistündigen Auktion wurde die Mehrzahl der 243 Exponate für insgesamt rund 250.000 Euro versteigert. Eckel war am 3. Dezember 2021 als letzter der «Helden von Bern» in Landstuhl gestorben und ist in seinem Heimatdorf Vogelbach begraben worden. Seine Tochter Dagmar hatte die Auktion mit den Worten begründet, sie brauche Geld für die Pflege ihrer Mutter.

Das WM-Trikot hängt seit 2015 im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Dagmar Eckel hat den Leihvertrag nach eigenen Angaben gekündigt. Über diesen Schritt gab es zuletzt Unstimmigkeiten zwischen beiden Seiten.

Einer der Käufer bei der Auktion war Patrick Herzog aus Poltringen. Er ersteigerte mit seinem Vater zunächst für 260 Euro ein DFB-Trikot für Eckel von 2014 und danach für 160 Euro eine Kristallglas-Steele mit dem Konterfei von Sepp Herberger. «Ich bin happy», sagte der bei der Bundespolizei beschäftigte Herzog der Deutschen Presse-Agentur.

Herzog betreibt im Kreis Tübingen ein kleines Fußballmuseum. «Da kommt auch das Trikot rein, aber nicht im Rahmen, sondern so, dass man beide Seiten lesen kann.» Dass Trikot, Schuhe und Medaille von 1954 versteigert wurden, bedauerte er. «Man weiß halt nicht, wo das hingeht.» Er sei «überrascht, welche Summen dazu aufgerufen wurden».

Sein Vater verwies auf die WM in Katar: hier der bodenständige Eckel, der die Autogramme seiner Mitspieler sammelte und im Zug nach Bern fuhr, dort die grellbunte Welt der Funktionäre und austauschbaren Stars. «Das ist ein Riesenkontrast», sagte Adolf Herzog. Er hatte die WM 1954 als 14-Jähriger erlebt. «Das war eine andere Zeit. Heute musst du als Fan über vieles hinwegsehen. Du kannst es nicht ändern.»

Es ist an diesem Herbsttag auch ein Nachmittag für Fußballromantiker. Neun Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gab der Triumph von 1954 einer ganzen Nation ein neues Selbstwertgefühl. Und er machte Eckel sowie den Spielführer Fritz Walter und die anderen «Helden von Bern» zu beständigen Identifikationsfiguren des deutschen Fußballs. Unter den Exponaten waren auch zahlreiche Alltagsgegenstände, etwa ein Koffer und ein Kühlschrank. Auch Eckels Bundesverdienstkreuz kam unter den Hammer - und wechselte für 3800 Euro den Besitzer. Fuhr zufolge verfolgten 320 Bieter die professionell ablaufende Auktion online, rund 600 Gebote waren demnach vorab eingegangen.

Ursprünglich war der Nachlass für mindestens 280.000 Euro als Ganzes angeboten worden, der Pauschalverkauf kam aber nicht zustande. Daher wurde die Sammlung nun in Einzelteilen versteigert. In der Fußballszene war die Ankündigung der Auktion auf Verwunderung gestoßen. Man sei bereit gewesen, eine Unterstützung zu prüfen, hieß es. Auch Fans diskutierten in Foren die Versteigerung kontrovers.

Dagmar Eckel hatte betont, der Verkauf sei emotional und falle ihr nicht leicht. Sie war am Samstag nicht anwesend. Auch um den Nachlass von Weltmeister-Kapitän Fritz Walter hatte es Wirbel gegeben, weil die Erben ihn nach vergeblichen Verkaufsofferten 2019 versteigern lassen wollten. Überraschend aber kaufte Harald Layenberger, damals Hauptsponsor des 1. FC Kaiserslautern, seinerzeit die Memorabilien. Die geplante Versteigerung wurde abgesagt.

© dpa
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