Zwei mutmaßliche IS-Unterstützerinnen festgenommen

31.03.2022 Die Bundesregierung hat 27 deutsche Kinder und 10 Mütter aus einem Gefangenenlager in Nordostsyrien zurückgeholt. Zwei der festgenommenen mutmaßlichen IS-Unterstützerinnen stammen aus Idar-Oberstein.

Das Blaulicht eines Polizeifahrzeuges leuchtet. © Christoph Soeder/dpa/Symbolbild

Zwei mutmaßliche IS-Anhängerinnen aus Idar-Oberstein sind am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Zwischen den beiden am Mittwoch zurückgeholten deutschen Frauen, die Mitglieder der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gewesen sein sollen, gebe es aber keine direkte Verbindung, sagte der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer am Donnerstag. Gegen die ältere, 36-Jährige, ermittle der Generalbundesanwalt. Die Jüngere, eine 27-Jährige, sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Sie habe ihre 2015 geborene Tochter dabei gehabt. Um das Mädchen kümmere sich das Jugendamt. Zur Sache habe sich die Frau beim Haftrichter nicht geäußert.

Die 27-Jährige gehört zu einer vierköpfigen Gruppe, gegen die ein Haftbefehl des Oberlandesgerichts (OLG) Koblenz vorliegt. Sie wird außer der IS-Mitgliedschaft auch des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz beschuldigt. Aus der Gruppe war bereits im März 2021 eine Frau vom OLG rechtskräftig zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 36-Jährigen legt der Bundesanwalt neben der Mitgliedschaft im IS auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Menschenhandel sowie Verstöße gegen das Waffenrecht zur Last.

Die beiden Frauen sollen zu den 27 deutschen Kinder und 10 Müttern gehören, die die Bundesregierung nach den Worten von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) aus einem Gefangenenlager in Nordostsyrien zurückgeholt hat. Die Beschuldigten sollen im Frühjahr 2019 festgenommen worden sein und sich seither in einem kurdischen Lager befunden haben.

Die 36 Jahre alte Frau soll im Dezember 2014 ihrem Ehemann nach islamischen Ritus in die Türkei gefolgt sein, um in den Irak zum IS auszureisen. Vom Frühjahr 2015 an habe sich das Paar in Mossul aufgehalten, wo die Beschuldigte den Haushalt führte und die gemeinsamen Kinder im Sinne der IS-Ideologie erzogen habe. Die Familie lebte den Ermittlungen zufolge in einem Haus, dessen rechtmäßige Bewohner vor dem IS geflohen oder von diesem vertrieben worden waren.

In dem Haus habe das Paar eine große Zahl von Sprengstoff und Waffen gelagert, darunter Handgranaten, Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow und eine Glock-Pistole. Sie sollen auch mit Genehmigung und gegen Bezahlung des IS eine Aufnahmestelle für alleinstehende weibliche IS-Angehörige eingerichtet haben. Diese Frauen sollen sie beherbergt, verpflegt, beim Heiraten und bei Scheidungen vor dem Scharia-Gericht unterstützt haben.

Dem Paar wird zudem vorgeworfen, 2015/16 eine jesidische Frau als Sklavin gehalten zu haben. Der Mann verübte den Ermittlern zufolge regelmäßig sexuelle Übergriffe gegen diese Frau. Seine Frau - die 36 Jahre alte Festgenommene - soll dies gewusst haben. Das Paar habe die Sklavin auch täglich zur unentgeltlichen Hausarbeit und Kinderversorgung gezwungen. Vermutlich im Herbst 2016 zog die 36-Jährige mit ihrer Familie - ohne die Jesidin - nach Syrien und lebte bis Anfang März 2019 im IS-Herrschaftsgebiet. Was aus dem Mann und den Kindern geworden ist, war zunächst unklar.

Die 27-Jährige soll im September 2014 «nach intensiver gemeinsamer Vorbereitung» zusammen mit ihrem Bruder und dessen nach islamischen Ritus verheirateter Frau sowie ihrer Schwester von Idar-Oberstein in das zu diesem Zeitpunkt vom IS kontrollierte Gebiet in Syrien gereist sein. Spätestens von Oktober 2014 an soll sich die Gruppe in der syrischen Stadt Rakka den Strukturen der terroristischen Vereinigung eingegliedert und dem Willen der Organisation unterworfen haben.

Die 27-Jährige habe zunächst einen Kämpfer des IS geheiratet und ihm zumindest moralische Unterstützung geleistet. Nach dessen Tod 2015 soll sie noch mindestens zwei andere Angehörige des IS geheiratet haben, die auch ums Leben kamen. Die Beschuldigte soll vom IS Geld für ihre Tätigkeiten bekommen haben und als Witwe versorgt worden sein. Sie soll auch ein Schnellfeuergewehr in ihrer Wohnung gehabt haben.

Der mit ausgereiste Bruder soll bei Kampfhandlungen in Syrien im Frühjahr 2015 gestorben sein. Seine Frau ist die vor rund einem Jahr vom OLG Verurteilte. Zur Schwester der 27-Jährigen machte die Generalstaatsanwaltschaft keine Angaben.

© dpa

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