Minikraftwerke im Rhein: Pioniere sehen Projekt gefährdet

02.07.2022 Der Strom erzeugt Strom: Besondere Bojen sollen mit der Rheinströmung Energie gewinnen. Doch eine Gesetzesänderung erschreckt die Unternehmer.

Ein Arbeitsboot bohrt Löcher für die Verankerungsketten von Strom-Bojen im Rhein. © Thomas Frey/dpa/Archivbild

16 Mini-Kraftwerke sollen künftig nahe dem weltberühmten Loreley-Felsen im Rhein schwimmen - doch nun sieht das Unternehmen Mittelrheinstrom sein Projekt gefährdet. Die geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sehe keine Förderung mehr für kleine Wasserkraftwerke mit einer Kapazität unter 500 Kilowatt vor, erklärt Unternehmer Norbert Burkart.

Eine elf Meter lange Strom-Boje schwimmt bereits bei St. Goar im Rhein. Sie ist mit einer Kette am Flussgrund verankert und sieht aus wie ein Torpedo. Die starke Rheinströmung soll innen einen Rotor antreiben und per Generator Strom erzeugen für die Einspeisung ins Stromnetz an Land. 15 weitere Bojen sollen folgen, alle jeweils sieben Tonnen schwer, gewartet mit Hilfe eines Arbeitsbootes. «Sie würden zusammen ein Standardwindrad ersetzen», sagt Burkart.

Das in seiner Dimension bundesweit einzigartige Projekt in einem Nebenarm des Rheins ohne Berufsschifffahrt sei ein Beitrag zur Energiewende und bereits «komplett genehmigt». Doch mit der EEG-Novelle verlöre Mittelrheinstrom die Vergütung von zwölf Cent pro Kilowattstunde - und damit die Aussicht auf Darlehen von Banken, die Einnahmen sehen wollen. «30 bis 40 Prozent Eigenkapital kriegen wir zusammen», erläutert Burkart. Ansonsten seien Kredite für das Projekt mit Gesamtkosten von rund fünf Millionen Euro nötig.

Die rot-grün-gelbe Landesregierung schätzt die ökologische Bedeutung von Bächen und schmaleren Flüssen höher ein als deren Bedeutung für die Stromgewinnung mit sehr kleinen konventionellen Wasserkraftwerken. Die Strömungsturbinen von Mittelrheinstrom funktionieren laut dem Energie- und Klimaschutzministerium jedoch nur in größeren, freifließenden Flüssen. Die schon verankerte Boje habe auch Bestandsschutz. Zudem könne der geplante Schwarm von 16 Minikraftwerken mit einer Kapazität von je 70 Kilowatt gegebenenfalls als eine einzige Anlage im Sinne des EEG angesehen werden, «so dass sie über der Schwelle von 500 Kilowatt liegen», unterhalb der die Förderung gestrichen werden solle, erläutert das Ministerium.

Burkart bleibt skeptisch: Strom-Bojen müssten für das EEG einzeln bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden - das Projekt sei im Falle der Neufassung des Gesetzes «konkret gefährdet». Der Technikpionier verweist auf die Vorteile der Minikraftwerke einer österreichischen Firma: keine Staudämme, keine Pausen wie bei stillstehenden Windrädern und keine Beeinträchtigung des Welterbes Oberes Mittelrheintal. «Es hat sich auch noch kein Fisch in die Strom-Boje verirrt», betont Burkart. Diese nähmen vermutlich das Rauschen und Vibrieren der Turbine wahr. Auch das Energieministerium teilt mit: «Kenntnisse zur Schädigung der Fischfauna liegen aktuell nicht vor.»

© dpa

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