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Bischof Ackermann: Kirche im größten Umbruch seit 200 Jahren

Die katholische Kirche steckt in mehr als einer Dauerkrise. Es sei ein epochaler Umbruch, der gerade stattfinde, sagt Bischof Ackermann. Am Ende werde eine andere Gestalt von Kirche stehen.
Trierer Bischof Stephan Ackermann
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann spricht bei einem Interview zum Umbruch der katholischen Kirche. © Harald Tittel/dpa

Die katholische Kirche befindet sich nach Einschätzung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann im größten Umbruch seit 200 Jahren. Die Religiosität nehme immer weiter ab, die Entfremdung von Kirche weiter zu: «Die Kirche ist in einer epochalen Transformation», sagte Ackermann der Deutschen Presse-Agentur in Trier. «Wenn man es auf einen Punkt bringen will, dann ist das der Weg von der Volkskirche zu einer Kirche der Entscheidung.»

Das heißt kurz gesagt: Man wächst nicht einfach in eine Kirche hinein, wie es früher üblich war. «Jetzt muss ich mich dazu entscheiden, Christ zu sein und der Kirche anzugehören.» Die Auswirkungen des Wandels sieht man seit Jahren: hohe Austrittszahlen, Priestermangel, schwindender Einfluss der Kirche. Der Missbrauchsskandal seit 2010 hat auch dazu geführt, dass sich viele Gläubige abwandten.

Die Kirche werde auf jeden Fall «kleiner» werden, sagte Ackermann. «Aber klein heißt nicht, dass sie dann keinen wesentlichen Beitrag mehr für die Gesellschaft erbringen kann.» Außerdem werde die Kirche «weiblicher auch in der Repräsentanz» werden. Bisher sei die Repräsentanzebene katholisch stark männlich geprägt. «Das wird sich ändern. Da bin ich sicher», sagte der Bischof.

Wie lange das dauern werde? «Das kann noch länger dauern, je nachdem wie die internationale Entwicklung ist.» Der Reformprozess schreite voran: «Die Fragen mit denen wir uns in Deutschland auf dem Synodalen Weg beschäftigen, sind auch auf der Ebene der Weltkirche anzutreffen.» Dazu gehörten Fragen von stärkerer Beteiligung an Entscheidungen, des Zugangs zum kirchlichen Amt für Frauen und die Sexualmoral.

Der Unterschied zu Deutschland sei aber, «dass das bei uns sehr stark fokussiert ist auf die Frauenfrage, auf die Frage der Sexualethik und den Zölibat». Diese «Fokussierung» sei weltkirchlich nicht festzustellen. «Aber die Themen sind da.» Über Reformen gebe es auch «bilaterale Gespräche» zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der Römischen Kurie. Auch im Jahr 2024. «Da wird man sehen, wie man vorankommt.»

Ackermann sagte, die katholische Kirche in Deutschland könne durchaus auch eigene Wege gehen. «Natürlich kann es immer ortskirchenspezifische Anpassungen geben», zum Beispiel in der Pastoral oder auch in der Liturgie. Zu «Elementen, wo man teilkirchliche Lösungen finden kann», zähle er auch die priesterliche Ehelosigkeit, den Zölibat.

Es gebe verheiratete Priester bereits in bestimmten katholischen Ostkirchen, beispielsweise der syrisch-katholischen oder der maronitischen. «Das haben wir ja schon. Das sind sozusagen eigene Lösungen», sagte er. «Der Zölibat ist kein Dogma, da geht es nicht um theologisch-dogmatische Fragen.» Bei Weiheämtern für Frauen aber sehe er keine ortskirchliche Lösung. «Da geht es an die theologische Substanz.»

Zudem gingen die Beratungen in Deutschland weiter: Im November wurde der Synodale Ausschuss eingesetzt, der die Arbeit des deutschen Reformprozesses «Synodaler Weg» fortsetzt. Spaltungstendenzen sieht Ackermann nicht. «Da ist niemand dabei, der sagt, die Lösung bestehe darin, dass die Kirche in Deutschland zu einer Nationalkirche wird.» Sonst müsse man nicht so um die Themen ringen. «Man will gemeinsam die Kirche verändern.» Für alle, die schnelle Ergebnisse erwarteten, sei es eine Geduldsprobe. «Das sind lange Prozesse», sagte der Bischof.

Zum Bistum Trier gehören gut 1,2 Millionen Katholiken in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

© dpa
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