Warntag erfüllt im Land noch nicht alle Erwartungen

Plötzlich piepsen Handys, plötzlich heulen Sirenen: Beim zweiten bundesweiten Warntag sollte alles besser laufen als 2020. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es jedoch erneut Lücken.
Eine elektronische Sirene ist auf dem Dach des Gemeindehauses in Rech montiert worden. © Thomas Frey/dpa/Archivbild

Nach dem fehlgeschlagenen ersten bundesweiten Warntag vor gut zwei Jahren hat auch die Neuauflage am Donnerstag in Rheinland-Pfalz noch nicht alle Erwartungen erfüllt. Das Mainzer Innenministerium bilanzierte zwar: «Um 11 Uhr wurde das Modulare Warnsystem (MoWas) des Bundes mit allen an das System angeschlossenen Warnmitteln wie Fernsehen, Radio, Warn-Apps und dem neuen Cell Broadcast ausgelöst und in weiten Teilen erfolgreich getestet.» Beim Cell-Broadcast-Verfahren geht eine automatische Benachrichtigung an jedes eingeschaltetes Handy mit Empfang und aktueller Software.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Carl-Bernhard von Heusinger, teilte aber mit: «Zahlreiche Menschen sind offenbar nicht mit der Testwarnung über das Cell Broadcasting gewarnt worden, weil das Betriebssystem ihres Mobiltelefons zu alt ist oder nicht die erforderlichen Einstellungen ausgewählt waren.» Warn-Apps wiederum verfügten über «unterschiedliche technische Standards und man braucht alle Apps, um keine Warnung zu verpassen».

Lea Heidbreder (Grüne), Vorsitzende der Enquete-Kommission «Zukunftsstrategien zur Katastrophenvorsorge» im Landtag, betonte, die Ahr-Flut mit mindestens 134 Toten im Juli 2021 habe gezeigt, wie wichtig Warnungen aller Bürger im Ernstfall seien. Viele neue Sirenen seien in Rheinland-Pfalz seitdem in Betrieb genommen worden, «aber von einer vollständigen Abdeckung der Landesfläche sind wir weit entfernt. Dazu kommt, dass gerade viele Menschen die je nach Ort unterschiedlichen Signale der Sirenen nicht verstehen.»

AfD-Fraktionsvize Jan Bollinger sprach von immer noch «signifikanten» Problemen. Diese müssen schnellstmöglich gelöst und dabei keine Kosten gescheut werden, um die Bevölkerung vor sich anbahnenden Katastrophen rechtzeitig zu warnen.

Die Stadt Koblenz teilte mit, von 26 bereits montierten elektronischen Sirenen hätten nach ersten Erkenntnissen 3 nicht planmäßig funktioniert. 20 weitere sollen bis März 2023 im Stadtgebiet installiert werden.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling (SPD) schaute in Heimersheim im flutgeschädigten Ahrtal, wie der Probealarm bei der Feuerwehr des Stadtteils von Bad Neuenahr-Ahrweiler ausgelöst wurde. Er wies auf unterschiedliche mögliche Katastrophenszenarien in der Gegenwart hin: «Umso wichtiger ist ein solcher Tag, an dem die Warnmittel auf Herz und Nieren getestet werden.» Noch besser sei es, «wenn jede und jeder zumindest auf einem Kanal durch eine Warnung erreicht werde: Warnungen über Sirenen oder Lautsprecherdurchsagen, aber auch über Warn-Apps, Medien oder Cell Broadcast. Der Mix macht`s.»

Warnungen mit Sirenen und auch Lautsprecherwagen gab es in mehreren Regionen von Rheinland-Pfalz. «Aus den teilnehmenden Kommunen haben wir bisher auch durchaus positive Rückmeldungen erhalten. Für die Zukunft möchte ich aber auch noch einmal darum werben, dass sich möglichst viele an einem solchen Test beteiligen», betonte Ebling.

Beim ersten bundesweiten Warntag im September 2020 waren etwa die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf Handys angekommen. Das Bundesinnenministerium bezeichnete den damaligen Probealarm als «fehlgeschlagen».

© dpa
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