Neuer internationaler Wettbewerb für Mittelrheinbrücke

Zwischen Mainz und Koblenz gibt es keine Rheinbrücke. Politiker wollen das ändern, im Herbst sollen die Planungen ein neues Etappenziel erreichen. Innenminister Lewentz hofft auf einen Hingucker - und erinnert an ein weltberühmtes Reiseziel.
Landesinnenminister Roger Lewentz (l) und Landesverkehrsministerin Daniela Schmitt stehen bei einem Gesprächstermin an der Stelle der geplanten Mittelrheinquerung. © Thomas Frey/dpa

Für das schon seit einem halben Jahrhundert diskutierte Projekt einer Mittelrheinbrücke soll es einen neuen internationalen Wettbewerb geben. Damit wird nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD) vom Montag eine Anregung einer Delegation von Unesco und ihrem Beratergremium Icomos aufgegriffen. Die Experten hatten im Mai das Welterbe Oberes Mittelrheintal besucht.

Schon vor etlichen Jahren gab es einen Wettbewerb für ein Brückenprojekt nahe dem berühmten Loreley-Felsen. Zwischen Koblenz und Mainz gibt es auf rund 80 Rheinkilometern lediglich sechs Fährverbindungen - und eben keine Brücke.

Minister Lewentz sagte am Montag in St. Goarshausen, zu Orten mit besonders ästhetischen Brückenbauwerken kämen manche Touristen auch nur, «um die Brücke zu sehen». Als Beispiel nannte er die weltberühmte Golden Gate Bridge von San Francisco. Auch das Mittelrheintal solle «möglicherweise sogar einen Hingucker» bekommen.

Dem Minister zufolge ist der Wettbewerb «in den nächsten Jahren» geplant. Die Unesco solle in die Brückenplanung im Herzen des Welterbes Oberes Mittelrheintal bei St. Goarshausen und St. Goar eng eingebunden werden - die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal verlor einst wegen eines Brückenbaus ihren Welterbetitel. Auch die rheinland-pfälzische Verkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP) betonte in St. Goarshausen, «gerade in so einer wunderschönen Region» müsse die Ästhetik einer Brücke im Vordergrund stehen.

Genauso wie Lewentz machte sie keine Angaben zu Zeithorizont und Kosten des Projekts mit Verweis unter anderem auf den gegenwärtigen Mangel von Fachkräften und manchem Baumaterial. Rhein-Hunsrück-Landrat Volker Boch (parteilos) sprach von derzeit «explodierenden» Baupreisen. Verkehrsministerin Schmitt sagte mit Blick auf die Mittelrheinbrücke aber auch: «Die Planungen waren noch nie so weit wie sie heute sind.»

Innenminister Lewentz rechnet nach eigenen Worten mit dem raumordnerischen Entscheid in diesem Herbst. Umwelt- und Hochwasserverträglichkeit oder mögliche Beeinträchtigungen von Sichtachsen seien beispielsweise die Stichworte bei den Einwendungen im Raumordnungsverfahren gewesen. «Das ist alles fachlich zu beantworten, glaube ich», sagte der Sozialdemokrat.

Anschließend könnte das Planfeststellungsverfahren beim Verkehrsministerium starten. Klagen und Verzögerungen sind bei dem Projekt nicht ausgeschlossen. Bis zur geplanten Bundesgartenschau (Buga) 2029 im Welterbegebiet zwischen Koblenz und Rüdesheim mit der wohl größten Burgendichte der Welt dürfte die Brücke noch nicht eröffnet werden. Lewentz sagte, er werde sich «sehr freuen», wenn es schon eine Baustelle während der Buga gebe.

Mit Blick auf das gegenwärtige Niedrigwasser des Rheins erklärte der Innenminister: «Dies wird aufgrund des Klimawandels zukünftig häufiger vorkommen und kann auch zu Ausfällen der Fähren führen.» Umso wichtiger sei die Brücke. Verkehrsministerin Schmitt betonte, viele Berufspendler und Handwerker seien «in anspruchsvollen Zeiten» dringend auf eine sichere Rheinquerung angewiesen, «die bei allen Witterungsbedingungen und zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung steht».

Schmitt sagte zu, dass sich das Land an dem kommunalen Brückenprojekt weiterhin finanziell beteilige: «Wir werden eine gute Lösung finden.» Lewentz stellte in Aussicht, dass das Land 80 und die Kommunen 20 Prozent der Kosten übernehmen könnten.

Zahlreiche Naturschützer sind gegen einen Brückenbau, viele Anwohner, Politiker und Unternehmen für eine landschaftsverträgliche Querung. Laut dem Bürgermeister von St. Goarshausen, Nico Busch (SPD), gibt es bei älteren Bürgern auch Skepsis, dass die Brücke letztlich doch nicht gebaut werde. Aus seiner Sicht sei es wichtig und schön, beide Rheinufer miteinander zu verbinden. Auch die innerdeutsche Grenze sei 1989 «weggebracht» worden - da müsse es auch möglich sein, hier die Trennung durch den Rhein zu überwinden.

© dpa
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