Frauenrechtlerin aus Afghanistan wird mit Lutherpreis geehrt

Die Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari erhält für ihre Wirken als erste Bürgermeisterin einer afghanischen Provinz den Lutherpreis «Das unerschrockene Wort». Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle zwei Jahre vom Bund der 16 deutschen Lutherstädte verliehen - dort wirkte der Reformator Martin Luther. Die Entscheidung für Ghafari als Preisträgerin sei einstimmig gewesen, teilten der Bürgermeister der thüringischen Stadt Schmalkalden, Thomas Kaminski, und Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU) aus Worms nach einer Jurysitzung in Schmalkalden mit. Dort soll auch am 15. April 2023 die Preisverleihung stattfinden.
Zarifa Ghafari, ehemalige afghanische Bürgermeisterin von Maidan Sharh. © Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa/Archivbild

Alle fünf Nominierten hätten den Preis verdient, sagte Kaminski. Ausschlaggebend für die Entscheidung sei jedoch gewesen, dass die 30-jährige Ghafari ganz besondere Sympathie und Solidarität genieße. Sie amtierte von 2018 bis 2021 als erste weibliche Bürgermeisterin in der afghanischen Provinz Maidan Wardak. Dort setzte sie sich vor allem für den Schutz und die Rechte afghanischer Frauen ein; etwa, indem sie einen Markt nur für Frauen eröffnete und so Arbeitsplätze für Frauen schuf.

Nach der Machtergreifung der Taliban im Sommer 2021 konnte Ghafari mit ihrer Familie nach Deutschland fliehen. «Von hier aus erhebt die intellektuelle, aufgeklärte junge Frau weiterhin ihre Stimme für die Menschenrechte in Afghanistan und in der Welt.»

Im Sinne der Zivilcourage Luthers (1483-1546), der mit seinen Thesen gegen den Ablasshandel Papst und Kaiser die Stirn bot, ehrt Preis mutige Menschen für Worte und Taten. Im vergangenen Jahr hatten die Bürgerrechtlerinnen Veronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa aus Belarus stellvertretend für die Demokratiebewegung in ihrem Land den Lutherpreis erhalten.

© dpa
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