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Aufbau des Sirenennetzes läuft - Lieferengpässe bremsen aus

Die Ahrflut hat gezeigt, wie wichtig im Katastrophenfall eine schnelle und effektive Warnung der Bevölkerung ist. Viele Kommunen bauen neue Sirenen auf oder planen das. Doch so manches Vorhaben wird ausgebremst - und es liegt nicht am Geld.
Sirene in Mainz
Eine elektronische Sirene auf dem Dach einer Berufsschule. © Christian Schultz/dpa

Im Jahr zwei nach der verheerenden Flut an der Ahr arbeiten viele Kommunen in Rheinland-Pfalz am Aufbau oder der Modernisierung ihres Sirenennetzes. Die in der Vergangenheit als altmodisch abgestempelten Anlagen gelten wieder als unverzichtbarer Bestandteil eines Mixes aus Warnmitteln - entsprechend begehrt sind sie. Das führt zu Lieferengpässen und dazu, dass das Innenministerium nicht wie gewünscht Fördergelder auszahlen kann.

Das Land bleibe auf Fördergeldern sitzen, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling (SPD) am Montag bei der Vorstellung einer neuen Sirene auf dem Dach einer Berufsschule in Mainz. Es fehle nicht am Willen, solche neuen Anlagen zu kaufen, betonte er. Das Problem sei vielmehr, dass es nur eine überschaubare Zahl an Herstellern gebe und aktuell einen großen Bedarf.

In vergangenen Jahrzehnten seien Sirenen in ganz Deutschland abgebaut worden, sagte Ebling. «Das war im Nachhinein betrachtet keine gute Entscheidung gewesen.» Sirenen seien neben Warnungen über Smartphones oder Apps unverzichtbar. «Es braucht auch dieses akustische Signal.» Und das in Zeiten, in denen sich vom Klimawandel ausgelöste Ereignisse wie starke Niederschläge oder Waldbrände häuften.

Die Landeshauptstadt Mainz installiert nach eigenen Angaben insgesamt 36 neue Sirenen. 13 seien schon einsatzbereit, 2024 kämen die letzten dazu, sagte der parteilose Oberbürgermeister Nino Haase. Mit den neuen Sirenen könne nicht nur per Heulton gewarnt werden, auch Durchsagen seien möglich. Sie verfügten über einen Batteriepuffer, falls der Strom ausfalle, und sie gäben ständig Rückmeldung, ob sie intakt seien.

Die Stadt Mainz kostet die Modernisierung des Sirenennetzes rund 817.000 Euro, das Land unterstützt Ebling zufolge mit rund 240.000 Euro. Insgesamt habe Rheinland-Pfalz fünf Millionen Euro an Bundesförderung auf 13 Millionen aufgestockt. «Aber die Förderung fließt nicht so ab, wie sie zur Verfügung steht.»

Engpässe bei Sirenen kennt auch der bei der Flut 2021 teilweise regelrecht verwüstete Kreis Ahrweiler. Der Aufbau des Netzes gestalte sich aufgrund der bundesweit großen Nachfrage nach den Geräten durchaus schwierig. In den an der Ahr liegenden Gemeinden sei der Aufbau des Netzes inzwischen abgeschlossen - dort gebe es 85 solcher Anlagen. Im übrigen Kreis seien neue digitale Sirenen bereits flächendeckend in der Stadt Remagen aufgebaut, in den weiteren Kommunen liefen die Planungen.

Auch die Stadt Trier bestätigt, dass es zum Teil schwierig ist, Komponenten für Sirenen zu beschaffen. «Denn überall in Deutschland sind Sirenen plötzlich wieder gefragt», teilte ein Stadtsprecher mit. Geplant sind in Trier 55 Standorte, die bis Ende 2024 mit Sirenen ausgerüstet sein sollen. Die ersten drei Sirenen wurden im November 2022 in Ehrang errichtet, dem Stadtteil, in dem Mitte Juli 2021 hunderte Häuser unter Wasser standen. Weitere sechs Sirenen seien in der vergangenen Woche in Trier-Nord aufgebaut worden.

Die Trierer Feuerwehr betont, ein Warnmittelmix sei entscheidend, dass also möglichst viele verschiedene Kanäle zur Verfügung stünden, um die Bevölkerung zu informieren. Warnungen über Apps, Medien und Internet erreichten nicht jeden, vor allem nicht nachts. «Da kommen die Sirenen ins Spiel, die mit ihrem durchdringenden Ton jedem im Umkreis signalisieren: Achtung, es ist etwas passiert.» In Trier sei zudem die Warnung mit Lautsprechern auf Fahrzeugen verbessert worden. Die Investitionskosten liegen laut Stadt bei rund 825.000 Euro.

In Koblenz wurde der Stadt zufolge 2019 mit dem Bau der ersten Sirenen mit Durchsagefunktion begonnen. Ursprünglich sei ein Aufbau von rund acht Sirenen pro Jahr geplant gewesen, nach der Flut sei das beschleunigt worden. Allein 2022 und 2023 seien im Stadtgebiet 30 Sirenen errichtet worden, aktuell gebe es 46 Sirenen samt Lautsprechern, 2024 soll die Zahl auf 52 Sirenen wachsen, dann sei der Ausbau abgeschlossen. Auch aus Koblenz heißt es: «Die Sirenen sind als Weckmittel ein ausschlaggebendes Instrument im Warnmittelmix.»

Ludwigshafen sieht elektronische Sirenen als «primäres Mittel, um die Bevölkerung auf gefährliche Situationen hinzuweisen». Hier wurde ein bestehendes Netz in den vergangenen Jahren von Motorsirenen auf elektronische Sirenen umgerüstet, wie die Stadt erklärte. Im Stadtgebiet verteilen sich 28 dieser elektronischen Exemplare.

© dpa
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