Fachkräftestrategie bis 2026: Alle sollen ihren Platz finden

Eine neue Fachkräftestrategie soll bis 2026 Engpässe beseitigen. Dafür arbeitet die Landesregierung mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Arbeitsagentur zusammen. Der CDU geht das nicht weit genug.
Rheinland-Pfalz' Ministerpräsidentin Malu Dreyer hält eine Rede. © Hannes P. Albert/dpa/Archivbild

Lebendigere Praktika für Schüler, Ausbildung in Teilzeit und Berufsberatung für Erwerbstätige: Das sind drei Punkte der neuen Fachkräftestrategie in Rheinland-Pfalz von Landesregierung, Gewerkschaften, Kammern, Arbeitgeberverbänden und der Bundesagentur für Arbeit. «Ob in der Klimatechnik oder beim Umbau einer neuen klimafreundlichen Mobilität, überall werden dringend Fachkräfte benötigt», sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Mittwoch in Mainz. Das Ziel der für die nächsten vier Jahre bis 2026 angelegten Strategie beschrieb die SPD-Politikerin so: Alle sollten ihren Platz finden. «Denn am Ende brauchen wir alle auf dem Arbeitsmarkt.»

Die Strategie lege auch Wert auf gute Arbeitsbedingungen, gesundes Arbeiten und Tarifverträge, sagte die DGB-Landesvorsitzende Susanne Wingertszahn. Die Kontrolle des Arbeitsschutz solle ausgebaut und dafür auch mehr Personal eingestellt werden.

Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) verwies auf die Transformationsagentur, die den «Weiterbildungsdschungel» lichten und lebenslange Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten in den Betrieben ermöglichen solle. «Es gibt keine Altersgrenze», sagte er mit Blick auf die Arbeitnehmer. «Es lohnt sich immer nochmal, anzupacken und sich zu erneuern.»

Die Leiterin der Regionaldirektion der Arbeitsagentur, Heidrun Schulz, hob die Zusammenarbeit aller Akteure hervor. «Das ist für Rheinland-Pfalz ein Bringer an sich.» Die Themen der Weiterbildung müssten sowohl auf die Arbeitgeber- als auch auf die Arbeitnehmerseite gebracht werden. Gerade im Handwerk sei die Auslastung der Betriebe oft so groß, dass eine Freistellung der Beschäftigten für die Weiterbildung schwierig sei. «An den Mitteln mangelt es nicht - noch nicht.»

«Wir brauchen Zuwanderung», sagte Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) zum Fachkräftemangel. «Wir haben eine gut gelebte Willkommenskultur in Rheinland-Pfalz.» Und sie ergänzte: «Das ist ein Standortvorteil.»

«Die Energiewende findet ohne das Handwerk gar nicht statt», stellte Kurt Krautscheid, Sprecher der Handwerkskammern, fest. In zehn Jahren brauchten ein Drittel aller Betriebe einen Nachfolger.

Derzeit gebe es rund 47.000 offene Stellen, davon seien 80 Prozent für Ausgebildete auf unterschiedlichem Niveau, sagte Schulz. Von den rund 100.000 Arbeitslosen habe weniger als die Hälfte eine Ausbildung. Die Zahl der offenen Stellen wachse und die der Arbeitssuchenden sinke. In Engpassberufen im Handwerk und der Pflege gebe es nicht mehr für jede Stelle einen Bewerber.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Martin, monierte, die bisherigen Anstrengungen der Landesregierung reichten nicht aus. Seine Fraktion habe in den jüngsten Haushaltsberatungen ein ganzes Bündel an Maßnahmen vorgeschlagen, das die Ampel-Fraktionen jedoch abgelehnt hätten. Dazu gehörten eine bessere Ausstattung für Berufsschulen, mehr Stunden für Berufswahlkoordinatoren und Kurzpraktika für Lehrkräfte.

2021 habe es nur 319 beschleunigte Verfahren in der zentralen Ausländerbehörde in Kaiserslautern gegeben, sagte Martin. Jährlich fehlten aber mindestens 20.000 Fachkräfte. «Hier muss Rheinland-Pfalz besser werden.»

© dpa
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