Winzer starten mit der Traubenlese: Die Ahr macht den Anfang

Gute Qualitäten und eine voraussichtlich eher geringe Menge erwarten die Winzer in Deutschland vom 22er Jahrgang. Der Auftakt der Hauptlese an der Ahr ist auch ein Zeichen der Solidarität für die von der Flutkatastrophe heimgesuchte Region.
Ein Arbeiter pflückt Trauben. © Joaquin Corchero/EUROPA PRESS/dpa/Symbolbild

Nach wochenlanger Hitze und Trockenheit sind am Donnerstag an der Ahr die ersten Trauben für die 2022er Weine gelesen worden. «Ich bin auf einen sehr schönen Jahrgang gespannt», sagte Winzer Philip Nelles im Weinberg über Heimersheim, einem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auch in der Pfalz wurden am Donnerstag die ersten Frühburgunder-Trauben gelesen. Weitere der insgesamt 13 Weinanbaugebiete in Deutschland folgen in der kommenden Woche. Im vergangenen Jahr begann die Hauptweinlese nach einem Sommer mit viel Niederschlägen erst am 14. September.

«Die Rotweine werden die Gewinner dieses Jahrgangs sein», sagte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI). «Sie vertragen die Hitze gut.»

An der Produktion des Frühburgunder-Rotweins der höchsten Qualitätsstufe Großes Gewächs nahmen am Morgen neun Erntehelferinnen und -helfer in der Lage Heimersheimer Landskrone teil. «Ich genieße es, etwas Schönes zu machen», sagte Erntehelferin Jutta aus dem nahegelegenen Sinzig, die über eine Stellenanzeige für einen Minijob zur Weinlese kam. Sorgsam schneidet sie die Trauben ab, nimmt noch einzelne vertrocknete Beeren heraus und wirft sie in die Bütt.

«Den Beginn der Hauptweinlese an der Ahr zu begehen, ist auch ein Ausdruck der Solidarität», sagte DWI-Sprecher Büscher. Im vergangenen Jahr hatten Winzer aus vielen deutschen Anbaugebieten dabei geholfen, die Ernte trotz der Zerstörungen einzubringen.

«Wir hatten allein einen Gebäudeschaden von 1,5 Millionen Euro und fast die Hälfte aller Barrique-Fässer verloren», sagte Winzer Nelles. «Auch in diesem Jahr sind viele Winzer weiter am Limit, jetzt kommt der Kraftakt der Lese.» Aber die Trauben machten trotz der Hitze einen guten Eindruck.

Messbar bestätigen konnte der Winzer den Eindruck mit einem Refraktometer zur Messung des Oechsle-Grades für den Zuckergehalt der Trauben. Das Gerät zeigte 97 Grad an. Im vergangenen Jahr mit sehr viel mehr Niederschlägen seien es selbst Mitte September nur 87 Grad gewesen, sagte Nelles.

«Die Winzer müssen aufpassen, dass die Zuckergehalte nicht durch die Decke gehen», erklärte Büscher. Bei der Vergärung entstehen dann leicht hohe Alkoholwerte. «Die 22er Weißweine werden von der Säure her moderater ausfallen», erwartet der Experte. Die Trockenheit habe den Vorteil, dass die Trauben von Pilzkrankheiten weitgehend verschont geblieben sind. Der Großteil der Lese werde in diesem Jahr schon Ende September beendet sein.

«Das ist jetzt die zweite Ernte nach einer Jahrhundertkatastrophe», sagte Carolin Groß vom Verein Ahrwein. Der Weinbau sei von entscheidender Bedeutung für den Tourismus, und das Ahrtal sei auf den Tourismus angewiesen. «In großen Teilen der Region liegt vieles noch im Argen - aber es lohnt sich wieder hierherzukommen.»

Eine von zahllosen Solidaritätsaktionen für das Katastrophengebiet war die Aktion Flutwein. Damit seien 4,5 Millionen Euro an Spenden eingenommen und rund 47.500 neue Kunden für den Ahrwein gewonnen worden, sagte Mitinitiator Daniel Koller. Die Idee, eine verschlammte Weinflasche emotional aufzuwerten, habe vielen Winzern Kraft gegeben und die Bekanntheit des Anbaugebiets erhöht.

© dpa
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