Tiere bekommen bei Rhein-Niedrigwasser Probleme

Sinken die Pegelstände, wird der Blick frei auf trockenen Flussboden im Uferbereich. Dort flieht alles was kann vor der Trockenheit. Rheinbewohner, die nicht mobil genug sind, haben aber ein Problem. Und auch im Umland macht sich der Wassermangel bemerkbar.
Ein Frachtschiff fährt bei Niedrigwasser über den Rhein. © Henning Kaiser/dpa/Symbolbild

Das Rhein-Niedrigwasser macht nicht nur Wirtschaft und Schifffahrt, sondern auch Fischen und anderen Wasserbewohnern zu schaffen. Vielen Tieren bleibt nur der Rückzug in die Fahrrinne für den Schiffverkehr. Doch dort ist es stressig und teils gefährlich, wie Klaus Markgraf-Maué vom Rhein-Büro des Naturschutzbunds (Nabu) Nordrhein-Westfalen erklärt.

Grundsätzlich gehörten auch extreme Niedrigwasser zum System Fluss dazu, erklärt der Nabu-Experte. Das Problem beim Rhein sei demnach aber, dass er für die Schifffahrt ausgebaut wurde: Sinken die Pegelstände und zieht sich das Wasser vom Ufer zurück, bleibt mobilen Tierarten zum Rückzug im Wesentlichen nur die Fahrrinne. Dort seien sie starken Strömungen sowie Wellenschlag durch Schiffe und damit Stress ausgesetzt, sagt Markgraf-Maué. Weil der Raum so eng sei, bestehe auch die Gefahr, dass sie zum Beispiel in Schiffsschrauben gerieten. Weniger mobile Arten würden bei Niedrigwasser häufig sterben. Das trifft zum Beispiel kleine Tiere wie Schnecken, Muscheln oder Krebstiere, die die Gewässersohle bewohnen.

Auch mit den höheren Wassertemperaturen, die meist mit Niedrigwasser einhergehen, haben Tiere zu kämpfen. «Ab 25 Grad geraten die ersten Arten an ihre Grenzen», sagt Markgraf-Maué. Ende Juli und Anfang August war dieser Wert an der Messstation Düsseldorf-Flehe schon überschritten worden, am Mittwoch lag er bei etwa 24,5 Grad.

Wird das Wasser wärmer, steigt der Sauerstoffbedarf der Fische - während gleichzeitig der Sauerstoffgehalt im Wasser abnimmt. Außerdem werden Fische anfälliger für Krankheitserreger. Beim Niedrigwasser 2018 seien viele Äschen - eine recht temperaturempfindliche Art - gestorben, sagt Markgraf-Maué. Auch strömungsliebende Arten wie Nasen könnten schnell Probleme bekommen. Ein größeres Fischsterben sei in diesem Jahr aber noch nicht bekannt, sagt Markgraf-Maué. Er betonte, die Wassertemperatur sei auch wegen der sehr umfangreichen Nutzung des Rheins, etwa als Kühlwasser für Kraftwerke, so hoch.

Auch in den umliegenden Gegenden können Tiere das Niedrigwasser zu spüren bekommen. Das Grundwasser fließe in den Rhein ab, entsprechend trocken seien Neben- und Auengewässer, erklärt Markgraf-Maué. Es gebe immer weniger Gewässer, die ganzjährig Wasser führten. Alteingesessene Arten würden verschwinden und durch Pionierarten ersetzt, die mit nur zeitweiser Wasserführung besser klarkommen.

Es brauche einen Paradigmenwechsel in der Wasserwirtschaft: In den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten sei die Maßgabe gewesen, Wasser so schnell wie möglich abzuführen. «Das müssen wir jetzt umkehren und den Wasserrückhalt in der Landschaft wieder stärken.»

Eine Vertiefung der Fahrrinne sehen Naturschützer kritisch. Damit würde noch mehr Wasser in der monoton strukturierten Rinne gebunden, sagt Markgraf-Maué. «Das Wasser, das noch für die Natur als Lebensraum zur Verfügung steht, wird damit weniger.» Auf Dauer könne Schifffahrt nur klimaresistent funktionieren, wenn sie sich den Bedingungen des Flusses anpasse - etwa durch Schiffe mit weniger Tiefgang - und nicht umgekehrt. «Die Schiffe optimieren und nicht den Rhein immer weiter degradieren», fordert der Nabu-Experte.

© dpa
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