Postler legen Arbeit nieder: 450.000 Pakete bleiben liegen

Wer auf ein Paket oder einen Brief wartet, der sollte sich mancherorts etwas in Geduld üben: Bei der Post gab es am Donnerstag schon wieder Warnstreiks, was die Arbeit in einigen Sortier- und Zustellzentren beeinträchtigt hat.
Ein Teilnehmer trägt eine Jacke mit dem Post-Logo. © Christoph Soeder/dpa

Im Tarifstreit bei der Deutschen Post haben erneut Tausende Briefträger, Paketboten und andere Beschäftigte die Arbeit niedergelegt, um ihrer Forderung nach 15 Prozent mehr Lohn Nachdruck zu verleihen. Die Gewerkschaft Verdi sprach von 6000 Teilnehmern der Warnstreiks am Donnerstag, die Deutsche Post von 3100. Wie schon bei den Warnstreiks in der vergangenen Woche lag die Beteiligungsquote an den betroffenen Post-Standorten Firmenangaben zufolge bei etwa einem Drittel. Dieses Mal bestreikte Verdi weniger Post-Standorte als in der vergangenen Woche, daher war die Zahl der Warnstreik-Teilnehmer niedriger.

Als Folge der Ausstände blieben Firmenangaben zufolge bundesweit rund 450.000 Pakete liegen, das waren knapp sieben Prozent der durchschnittlichen Tagesmenge. Bei den Briefen lag die Quote bei 3,5 Prozent, also 1,7 Millionen. Spätestens Anfang nächster Woche sollen diese Sendungen zugestellt werden - der genaue Zeitpunkt der Auslieferung hängt auch davon ab, ob weitere Arbeitsniederlegungen folgen und die benötigten Sortier- und Zustellzentren betroffen sind. In den zweieinhalbtägigen Warnstreiks der vergangenen Woche waren eine Million Pakete und drei Millionen Briefe liegengeblieben, circa 30.000 Beschäftigte hatten die Arbeit niedergelegt.

Thomas Großstück von Verdi NRW sprach am Donnerstag von einer «sehr guten Beteiligung». Die Warnstreiks waren zunächst nur für einen Tag geplant, also bis in die Nacht zu Freitag. Eine Verlängerung war aber möglich. «Es kann gut sein, dass in den nächsten Tagen weitere Warnstreiks folgen werden», sagte der Gewerkschafter.

Die Arbeitnehmerseite fordert 15 Prozent mehr Lohn für die rund 160.000 Tarifbeschäftigten im Bereich Post & Paket Deutschland. Der Firma ist das viel zu viel, sie hält diese Forderung für nicht erfüllbar.

Der Sprecher der Post reagierte mit Unverständnis auf die neuerlichen Arbeitsniederlegungen. Man habe bereits angekündigt, zu Beginn der dritten Verhandlungsrunde am 8. Februar ein Angebot vorzulegen. Daher seien die Warnstreiks «unnötig, da sie letztlich nur zulasten unserer Kundinnen und Kunden gehen».

Die Post hat starke Wachstumsjahre hinter sich, was auch an der Corona-Pandemie lag: Die Menschen bestellten viel mehr im Internet als zuvor. Im vergangenen Jahr sanken die Paketmengen zwar etwas, da sich die Pandemiefolgen abschwächten und die Menschen wieder mehr einkaufen gingen. Auch die konjunkturelle Eintrübung machte sich bemerkbar. Dafür zog aber das zuvor schwächelnde Briefgeschäft wegen steigender Werbesendungen an. Die Perspektiven des Logistikers sind in Zeiten des boomenden Online-Handels weiter positiv. Allerdings machen höhere Kosten etwa für Energie dem Unternehmen zu schaffen.

Die Deutsche Post betont, dass sie finanziellen Spielraum für Investitionen brauche - Investitionen, die die derzeitigen Jobs langfristig absicherten. Stiegen die Personalkosten zu stark, könnte das Investitionen ausbremsen und so die Zukunft eintrüben.

Verdi hingegen verweist auf die Leistungen der Belegschaft in Pandemiezeiten und auf die hohe Inflation, die eine kräftige Entgeltsteigerung erforderlich mache. «Die Streiks sind ein klares Zeichen unserer Mitglieder in Richtung Arbeitgeber», sagte die Vize-Vorsitzende von Verdi, Andrea Kocsis.

Die Arbeitgeber hätten in der zweiten Tarifverhandlungsrunde in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass sie nicht bereit und auch nicht in der Lage seien, die Reallohnverluste der Beschäftigten auszugleichen, sagte die Gewerkschafterin. «Das ist eine Provokation, auf die die Beschäftigten mit ihren Streiks eine unmissverständliche Antwort geben.» Der Konzern erwarte für 2022 einen Rekordgewinn. «Diesen Erfolg verdankt das Unternehmen der Arbeit der Beschäftigten», so Kocsis. Auch vor diesem Hintergrund seien die Tarifforderungen «notwendig, gerecht und machbar».

© dpa
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