Pistorius bei Leopard-Truppe: Ukraine braucht Unterstützung

Der Verteidigungsminister lässt sich genau die Kampfpanzer vorführen, die in den nächsten Wochen an die Ukraine abgegeben werden. Er wirbt um Verständnis für die Lieferung. Ein schwerer Panzer-Unfall an anderer Stelle überschattet den Besuch.
Bundesverteigigungsminister Boris Pistorius (SPD) besucht beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Schwielowsee die Gedenkstätte "Wald der Erinnerung". © Soeren Stache/dpa

Verteidigungsminister Boris Pistorius erwartet von der Kampfpanzer-Lieferung an die Ukraine eine bedeutsame Stärkung der Abwehrfähigkeit gegen die russischen Angreifer. «Die Ukraine braucht jede Unterstützung und die Leopard-Panzer, egal ob jetzt diese 2A6 oder andere 2A4, können eine wichtige Rolle in dem Kampf der Ukrainer gegen den Aggressor Russland spielen. Und deswegen versteht am Ende jeder, dass das passieren muss», sagte der SPD-Politiker am Mittwoch bei einem Truppenbesuch im westfälischen Augustdorf.

Pistorius warb bei der Truppe um Verständnis für diesen Schritt und kündigte eine möglichst zügige Ersatzbeschaffung an. Er habe am Dienstag drei angekündigte bilaterale Gespräche mit Vertretern der Rüstungsindustrie geführt und sich «über klare Zusagen und Ankündigungen dessen, was möglich ist und geleistet werden kann, sehr gefreut», sagte Pistorius. Er wolle alles dafür machen, dass die Bundeswehr einsatzfähiger und kaltstartfähiger werde, also gefechtsbereit ohne größere Vorbereitungen.

Die Bundesregierung hat der Ukraine 14 Leopard 2A6 zugesagt sowie 40 Schützenpanzer Marder. Auch andere westliche Partner liefern nun modernere, westliche Waffensysteme. Zusätzlich gibt es Ausbildungsprogramme für ukrainische Soldaten, die in Deutschland am Schützenpanzer Marder bereit begonnen hat. Die Militärhilfe ist womöglich auch ein Rennen gegen die Zeit, da Russland nach Einschätzung von Militärexperten eine neue Großoffensive gegen die Ukraine vorbereitet.

Pistorius war am Nachmittag in der Feldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf eingetroffen, Heimat des Panzerbataillons 203. Ihm wurde die Leistungsfähigkeit des Kampfpanzers Leopard 2 am Beispiel genau der Kettenfahrzeuge gezeigt, die an die Ukraine abgegeben werden. Das Panzerbataillon 203 stellt seit August 2022 mit rund 550 Soldaten auch den Kern des multinationalen Nato-Gefechtsverbandes in Litauen, der einen Beitrag zur Stärkung der Nordostflanke des Bündnisses leistet. Pistorius fuhr auch auf dem Leopard mit und sagte danach: «Abgesehen davon, dass es recht kalt war, war es aber vor allen Dingen sehr beeindruckend.»

Kurz vor seinem Besuch in Nordrhein-Westfalen gab es im Gefechtsübungszentrum des Heeres (GÜZ) in Sachsen-Anhalt einen schweren Unfall, bei dem zwölf Soldaten verletzt wurden. Davon habe einer schwere Verletzungen erlitten, sagte ein Bundeswehrsprecher der Deutschen Presse-Agentur. Nach vorliegenden Informationen waren die beiden Fahrzeuge bei einer Übung mit höherem Tempo zusammengestoßen.

Der Schwerverletzte wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Alle weiteren am Unfall beteiligten Soldaten wurden im Anschluss medizinisch versorgt. Die Soldaten gehören zu einem Truppenteil aus Munster in Niedersachsen, wie ein Bundeswehrsprecher bestätigte. Die Feldjäger nahmen der Bundeswehr zufolge Untersuchungen zum Unfallhergang und den möglichen Ursachen auf, die zunächst unklar waren. Pistorius zeigte sich in Augustdorf von dem Vorfall betroffen. Er spreche den Verletzten sein Mitgefühl aus und wünsche schnelle Genesung, sagte er vor Journalisten.

Das GÜZ bei Gardelegen ist eine zentrale Ausbildungsstelle des Heeres für den Schützenpanzer Puma. Bei dem Waffensystem hatte es zuletzt Probleme gegeben: Bei einer Schießübung waren alle 18 eingesetzten Schützenpanzer ausgefallen. Bei einer Schadensanalyse wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums überwiegend kleinere und mittlere Schäden festgestellt. Ein Nachkauf weiterer Puma-Panzer sowie die Verwendung für die Schnelle Eingreiftruppe der Nato (VJTF) wurden vorerst auf Eis gelegt. Bei den verunfallten Panzern handelte sich jedoch nach Bundeswehr-Angaben um eine andere Bauserie als bei den ausgefallenen Fahrzeugen.

Der Verteidigungsminister machte auf eine Frage hin auch seine Position zur Wehrpflicht deutlich. «Die Aussetzung der Wehrpflicht war ein Fehler, aber keiner, den man jetzt mal eben so im Handumdrehen zurückholt», sagte er. «Wir haben gerade andere Aufgaben zu stemmen, die viel Geld, Kraft und Zeit kosten. Und die stehen im Vordergrund.»

© dpa ⁄ Carsten Hoffmann, dpa
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