Keine Abstriche bei Umweltprüfungen für LNG-Terminal

Nicht jedem schmeckt die neue Entschlossenheit beim Aufbau von Flüssiggas-Terminals an der deutschen Küste. Der unter Druck geratene Gaskonzern Uniper rechtfertigt die Projekte. Dabei betont auch er: Hohes Tempo und ökologische Fragen dürfen sich nicht ausschließen.
Am zukünftigen Anleger für den Flüssiggasimport für Deutschland. © Sina Schuldt/dpa

Der Energiekonzern Uniper hat nach der Genehmigung für Deutschlands erstes Flüssigerdgas-Terminal (LNG) zugesichert, dass alle umweltrechtlichen Untersuchungen rund um das Vorhaben wie vorgeschrieben ablaufen sollen - unabhängig vom hohen Zeitdruck. «Höhere Geschwindigkeit heißt nicht mangelnde Qualität», sagte der für die Investitionsplanung in Wilhelmshaven zuständige Manager Holger Kreetz der Deutschen Presse-Agentur. «Die nötigen Umweltprüfungen finden nach wie vor statt, wie sich das für solch ein Projekt gehört – aber eben in einem anderen, viel höheren Tempo.»

Das Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg hatte die Installation der zunächst schwimmenden Anlagen kürzlich genehmigt. Möglichst schon ab Dezember sollen in Wilhelmshaven mit LNG beladene Schiffe abgefertigt werden können, der zum Beispiel von Katar und den USA exportierte Rohstoff soll übergangsweise russisches Pipeline-Gas ersetzen. Vom Einreichen der zentralen Anträge bis zur Zulassung verging nur etwa ein Monat.

Uniper hatte bereits früher eine LNG-Anlandestelle in Niedersachsen erwogen, sich dann aber vorerst zurückgezogen. Der Krieg in der Ukraine änderten die Situation völlig. «Die ersten Monate der Projektentwicklung liefen hervorragend», sagte Kreetz. Behörden, Politik und Unternehmen hätten bisher Hand in Hand gearbeitet. «Wenn es so weitergeht, sind wir optimistisch, dass es gelingen sollte, die Anlage im Winter 2022/2023 in Betrieb zu nehmen.» Das Land Niedersachsen peilt hierfür den 21. Dezember als Zieldatum an. Die Pipeline zur Anbindung ans Gasnetz soll bis dahin auch fertig sein.

Unter Umweltschützern stößt das Projekt indes auf große Bedenken. Sie befürchten, dass es bei ökologischen Prüfungen nicht mit der nötigen Gründlichkeit zugehen könnte. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte im Mai einen Baustopp gefordert, weil die Anlage ein Unterwasser-Biotop sowie Schweinswale gefährden könne. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte vor Klagefolgen - die Notwendigkeit rascher Unabhängigkeit von Energielieferungen aus Russland habe Priorität.

Später legte die DUH nach, der Umfang des Bedarfs an LNG-Terminals in Deutschland sei aus ihrer Sicht noch gar nicht präzise genug nachgewiesen. Sie sprach von einem «klimapolitischen Blindflug».

Uniper-Manager Kreetz verwies auf die besondere Lage. «Langfristig geht es klar um Dekarbonisierung. Aber kurzfristig ist ebenso klar: Wir brauchen erst einmal zusätzliches Erdgas und so schnell wie möglich Alternativen zu den russischen Pipeline-Lieferungen.» Die Vorarbeiten liefen. «Auch mit dem Rohrleitungsbau können wir bald loslegen.»

Und beim Import fossilen Gases werde es nicht bleiben, argumentierte Kreetz. Denn die in Wilhelmshaven aufgebaute Technik werde in großen Teilen auch für die Verarbeitung «grünen» Wasserstoffes nutzbar sein: «Gleichzeitig verfolgen wir unser nächstes großes Ziel, Wilhelmshaven auch bei grünem Wasserstoff ans Netz zu bekommen.» Dazu werde die Infrastruktur später noch erweitert. «Das ist ein Riesenprojekt, das durch Synergien auch von dem LNG-Terminal profitieren kann.»

© dpa
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