Vorgezogenes Braunkohle-Aus: DIW sieht wenig Einsparungen

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet durch den vorgezogenen Braunkohleausstieg in Nordrhein-Westfalen deutlich geringere CO2-Einsparungen, als vom Bundeswirtschaftsministerium und von der Landesregierung angekündigt. Nach Berechnungen des DIW würden durch den vorgezogenen Ausstieg nicht wie von Land und Bund errechnet 280 Millionen Tonnen Kohle, sondern im äußersten Fall 64 Millionen Tonnen Kohle eingespart, berichtete die «Rheinische Post» (RP) gestützt auf eine Studie der DIW-Expertin Catharina Rieve. In einem «realistischeren» Szenario gebe es tatsächlich gar keine Ersparnis gegenüber dem ursprünglichen Abschaltplan zum Ausstieg im Jahr 2038.
Ein Braunkohle Radschaufelbagger gräbt sich neben Lützerath durch die Landschaft. © David Young/dpa/Archivbild

Der Hintergrund: Die Bundesregierung, das Land NRW und der Energiekonzern RWE hatten zu Monatsbeginn vereinbart, den Kohleausstieg im Rheinischen Revier um acht Jahre auf das Jahr 2030 vorzuziehen. Im Gegenzug sollen angesichts der aktuellen Energiepreiskrise aber zwei Kraftwerksblöcke, die eigentlich Ende 2022 abgeschaltet werden sollten, bis Ende März 2024 weiter laufen.

Um die Auswirkungen dieser Vereinbarung zu bewerten, habe man zwei Szenarien untersucht, berichtet Rieve. In einem Szenario sei man davon ausgegangen, dass bis zu einem Ausstieg 2038 alle Kraftwerksblöcke planmäßig im Laufe der Jahre abgeschaltet würden, bis dahin aber unter Volllast gefahren würden. Unter diesen Umständen würde durch die jetzige Planung für den vorgezogenen Ausstieg maximal 64 Millionen Tonnen Kohle eingespart, erklärt Rieve.

Wenn man aber realistischere Perspektiven zugrunde lege, nämlich dass sich in den späten 30-er Jahren kein Braunkohlestrom mehr verkaufen lasse und der Kohleausstieg ohnehin auf spätestens 2035 vorgezogen worden wäre, «dann haben wir eine Ersparnis von nahezu Null», sagte Rieve.

Die Landesregierung blieb allerdings auf Nachfrage der RP bei ihren Berechnungen. «Durch den Kohleausstieg im Jahr 2030 wird nur noch die Hälfte des ursprünglich vorgesehenen Abbaufeldes im Tagebau Garzweiler II in Anspruch genommen. Hierdurch verbleiben gesichert insgesamt mindestens 280 Millionen Tonnen Kohle im Boden. Dies entspricht circa 280 Millionen Tonnen CO2, die dadurch nicht mehr emittiert werden können», erklärte das Landeswirtschaftsministerium.

© dpa
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