Abgabewelle und hohe Energiekosten: Tierheime schlagen Alarm

Vor dem Urlaub fragt sich so mancher Tierbesitzer: Was mache ich jetzt eigentlich mit meinem Hund oder meiner Katze? In der Saison berichten Tierheime von einer regelrechten Abgabewelle. Doch das ist nicht ihr einziges Problem.
Ein Kaninchen sitzt im Tierheim Leverkusen. © Federico Gambarini/dpa/Archivbild

Abgabewelle in der Urlaubszeit, hohe Energiekosten, viele leichtfertig in der Corona-Zeit angeschaffte Tieren - bei Tierheimen in Nordrhein-Westfalen kommt gerade einiges zusammen. Jedes einzelne der Probleme könnte man alleine noch stemmen, sagt Ralf Unna, Vizepräsident des Landestierschutzverbands NRW. «Was jetzt passiert, ist aber, dass es von mehreren Seiten gleichzeitig kommt.»

«Die Leute merken beim Kofferpacken: «Was machen wir jetzt mit der Minka?»» - so beschreibt Timo Franzen, Leiter des Tierheims Düsseldorf, das Problem. Die Abgabewelle ist demnach wieder deutlich zu spüren, stärker als in den vergangenen zwei Jahren, in denen weniger verreist wurde.

Zum üblichen Spiel in der Urlaubszeit komme auch noch «diese ganze Fehlentwicklung, die wir während der Corona-Pandemie gesehen haben», erklärt Unna vom Landestierschutzverband. Im Frühjahr 2020 seien Tierheime regelrecht «leergekauft» worden - «und jetzt sehen wir die Gegenbewegung», sagt er. Die oft völlig unüberlegt angeschafften Tiere - die zum Großteil im Internet gekauft und nicht etwa aus einem Heim geholt worden seien - würden nun zurückgegeben.

Auch die hohen Energiekosten und die Inflation seien bei den Tieraufnahmen zu spüren. Wer sich bei einem unüberlegt gekauften Tier sowieso unsicher ist, bei dem gibt womöglich das Finanzielle den letzten Anstoß. Das sei aber die kleinste der «Wellen», die die Heime derzeit zu spüren bekämen, sagt Unna. «Spaßig» werde es aber wohl ab Herbst, fürchtet Franzen vom Tierheim Düsseldorf. Ab Oktober werden Tierarztbesuche teurer, der Bundesrat hatte am 8. Juli einer Änderung der Gebührenordnung zugestimmt.

Die Tierheime bekommen die in die Höhe geschossenen Energiepreise auch selbst zu spüren. Eine fünfstellige Summe habe man fürs vergangene Halbjahr nachzahlen müssen, sagt Gerd Kortschlag, Leiter des Leverkusener Tierheims. Der Monatsabschlag sei von 2000 auf 5000 Euro gestiegen. Dabei haben es Heime ohnehin nicht dicke, sind auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen. «Und das geht auch zurück», sagt Kortschlag. «Weil alles teurer wird, ist die Spendenbereitschaft rückläufig. Das ist verständlich, aber auch schade.»

Teils müssen Heime auch wegen Coronafällen den Betrieb zurückfahren, wie Unna vom Landesverband erklärt. Das sei schlimm für die Tiere - aber auch für die Kasse: «Keine Vermittlung, keine Einnahmen.»

Man fordere schon lange, dass finanzielle Aufwandsentschädigungen für die Tierheime einheitlich geregelt werden. Der Städte- und Gemeindebund verweigere in der Sache aber Gespräche auf Bundesebene. Derzeit müssten die Entschädigungen einzeln mit der jeweiligen Kommune ausgehandelt werden. «Teils kommen sittenwidrige Tagessätze zusammen», schimpft Unna. Die Unterbringung von Fundtieren sei eine kommunale Pflichtaufgabe - die aber über Spenden finanziert werde.

© dpa
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