«Einer hat sich verplappert»: Anwalt als Zeuge

Die Ermittlungen nach dem Säureanschlag auf Spitzenmanager Bernhard Günther in Haan bei Düsseldorf schienen schon im Sande verlaufen, als ein anonymer Hinweis alles änderte. Dafür lieferte nun ein Rechtsanwalt eine Erklärung.
Bernhard Günther sitzt im Gerichtssaal. © Oliver Berg/dpa/Archivbild

Nach dem Säureanschlag auf Topmanager Bernhard Günther in Haan bei Düsseldorf soll sich einer der Täter selbst verraten haben. Das hat ein Rechtsanwalt am Dienstag am Wuppertaler Landgericht ausgesagt. Er schilderte seine Treffen mit einem anonymen Tippgeber. Dieser hatte die bereits eingestellten Ermittlungen wieder ins Rollen gebracht und dafür eine Belohnung kassiert.

Der Mann habe zuerst einen Kampfsportler genannt, der an dem Anschlag beteiligt gewesen sein soll und dann, gegen eine weitere Zahlung, Hinweise auf den jetzigen Angeklagten gegeben, sagte der Anwalt. Auf die Frage, wie er an die brisanten Informationen gekommen sei, habe der Tippgeber gesagt: «Einer von beiden hat sich verplappert.»

Der Mann habe auch gesagt, Angst um sein Leben zu haben und deswegen nicht mit der Polizei sprechen zu wollen, sagte der 48-jährige Anwalt aus. Er habe sich in verschiedenen Hotels mit dem Unbekannten getroffen. Dabei habe dieser allmählich Vertrauen gefasst.

Zuerst war der Kampfsportler festgenommen worden, mangels ausreichender Beweise aber später wieder freigelassen worden - obwohl Günther sagte, er habe den Mann auf Fotos wiedererkannt. Die Ermittlungen gegen den Sportler sind inzwischen eingestellt.

Die Hinweise auf den zweiten Mann führten ebenfalls zu dessen Festnahme und darüber hinaus zu einem DNA-Vergleich, der einen Treffer ergab: Seine DNA war in einem Handschuh am Tatort sichergestellt worden.

Der 42-jährige Belgier bestreitet als Angeklagter dennoch eine Beteiligung an dem Verbrechen: Der Handschuh sei ihm gestohlen und offenbar als falsche Fährte am Tatort zurückgelassen worden.

Der inzwischen 55-jährige Günther war am 4. März 2018 in der Nähe seines Hauses in Haan bei Wuppertal nach seiner sonntäglichen Joggingrunde angegriffen und verätzt worden. Die Täter hatten ihn mit hochkonzentrierter Schwefelsäure übergossen.

Ein Polizist sagte am Dienstag aus, bei dem Säureanschlag habe es sich um ein Vermittlungsgeschäft im Rockermilieu gehandelt. Es sei in einem Sauna-Club ausgemacht worden. Der Angeklagte hatte ausgesagt, häufig in einem Sauna-Club gewesen zu sein und für den Betreiber gearbeitet zu haben.

Opfer Bernhard Günther vermutet als Auftraggeber des Säureanschlags auf sich eine bestimmte Person aus seinem beruflichen Umfeld.

Er war bereits sechs Jahre vor dem Säureattentat 2018 von zwei Männern überfallen worden. Es gebe nur eine Person, die sowohl 2012 als auch 2018 davon profitiert hätte, wenn er berufsunfähig geworden wäre. Beide Überfälle hätten sich zudem in beruflichen Umbruchzeiten ereignet.

Die offiziellen Ermittlungen zu dem Fall waren zunächst ohne Ergebnis verlaufen und eingestellt worden. Dann hatte Günthers damaliger Arbeitgeber Innogy 100 000 Euro Belohnung für Hinweise zur Aufklärung des Falls ausgesetzt. Günther beauftragte zudem Privatermittler.

Dem Angeklagten drohen im Fall einer Verurteilung zwischen 3 und 15 Jahren Haft wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung.

© dpa
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