Ex-Missbrauchsbeauftragter soll in Woelki-Verfahren aussagen

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kardinal Woelki wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung. Woelki hatte damit einem Zeitungsbericht widersprochen. In dem Verfahren wird nun mit Spannung eine weitere Zeugenaussage erwartet.
Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

In einem Klageverfahren des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki gegen den Axel Springer-Verlag und einen «Bild»-Reporter soll am Mittwoch (13.00 Uhr) ein weiterer Zeuge aussagen. Das Kölner Landgericht will den früheren Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums dazu hören, ob und wann Woelki über Vorwürfe gegen einen umstrittenen Pfarrer etwas wissen konnte. Die Aussage einer früheren Zeugin in dem Verfahren hatte dazu geführt, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Woelki wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung einleitete.

In dem presserechtlichen Verfahren wehrt sich Woelki gegen einen Bericht der «Bild»-Zeitung über die Beförderung eines Pfarrers zum stellvertretenden Düsseldorfer Stadtdechanten 2017. Der Pfarrer hatte Jahre zuvor mit einem 16-jährigen Prostituierten Sex gehabt. Nach Auffassung Woelkis hat die Zeitung fälschlicherweise behauptet, dass er bei der Ernennung des Pfarrers dessen Personalakte gekannt und von einer Warnung der Polizei gewusst habe.

Ein Springer-Sprecher erklärte, man halte die Berichterstattung für rechtlich zulässig: «Es ist bedauerlich, wenn Bischöfe den Gerichtsweg zu Lasten der Pressefreiheit instrumentalisieren, um Missbrauchs-Aufklärung zu verhindern.»

Woelki hatte per eidesstattlicher Versicherung erklärt, den Inhalt der Personalakte nicht gekannt zu haben. Von dem Kontakt zu dem Prostituierten habe er zwar gehört. Unterstützer des Pfarrers hätten ihm aber gesagt, dass weitere Gerüchte über den Mann sich nicht bestätigt hätten.

Die Aussage einer Zeugin - sie war früher die Sekretärin von Woelkis Vorgänger als Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner - rief vor zwei Wochen die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Die Frau sagte vor Gericht, sie habe schon 2011 mit dem damaligen Weihbischof Woelki über den umstrittenen Pfarrer geredet. Unter anderem habe sie ihm berichtet, dass der Geistliche mit Messdienern in die Sauna gehe und anzüglich gegenüber Jugendlichen sei.

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Woelki noch in einem weiteren Fall wegen Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung. Woelki weist die Vorwürfe zurück.

© dpa
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