Rechter Bombenbau im Kinderzimmer: Gymnasiast vor Gericht

Im Mai entging die Ruhrgebietsstadt Essen wohl nur knapp einem Blutbad. Ein rechtsradikaler Gymnasiast soll entschlossen gewesen sein, an seiner Schule ein «Massaker» zu verüben. Utensilien für 16 Rohrbomben wurden in seinem Kinderzimmer entdeckt. Nun steht er vor Gericht.
Der Angeklagte (l) verdeckt sein Gesicht, neben ihm sein Verteidiger Andreas Wieser. © Federico Gambarini/dpa

Den Saal im Hochsicherheitstrakt betritt der 17-Jährige im schwarzen Kapuzenpullover, die Kapuze weit über den Kopf gezogen. Als die Kameras verschwunden sind, kommt hinter einem Aktenordner eine Lockenmähne und ein blasses Milchgesicht zum Vorschein. Der Gymnasiast soll einen rechtsextrem motivierten Terroranschlag auf seine Mitschüler und Lehrer geplant haben. Seit Freitag muss er sich dafür in Düsseldorf vor dem Oberlandesgericht verantworten.

«Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte fest entschlossen war, einen rassistisch motivierten Anschlag auf ein vom ihm besuchtes Gymnasium in Essen zu begehen», sagte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft. Das Gericht schloss die Öffentlichkeit in dem Jugendstrafverfahren am Freitag gleich nach Prozessbeginn auf Antrag des Verteidigers aus.

Verteidiger Andreas Wieser bekräftigte zuvor, dass sein Mandant ein Geständnis ablegen werde. Er sei «im Internet gedanklich falsch abgebogen». Er bereue seine Taten und «braucht professionelle Hilfe, um wieder auf die richtige Bahn zu kommen». Der Anwalt strebt eine Bewährungsstrafe an.

Der Anschlag sollte laut Anklage mit selbstgebauten Rohrbomben begangen werden, die im Kinderzimmer gefunden wurden. Ein Gutachten ergab, dass sie eine potenziell tödliche Wirkung entfaltet hätten. Dem 17-Jährigen drohen nun bis zu fünf Jahre Haft.

Der am 12. Mai in Essen festgenommene junge Deutsche soll den Terroranschlag über einen langen Zeitraum hinweg geplant haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass der damals 16-Jährige nur einen Tag später, am 13. Mai, am Essener Don-Bosco-Gymnasium ein «Massaker» anrichten wollte - einen Tag nach dem Hinweis eines Mitschülers wurde er in seinem Elternhaus festgenommen.

Schwer bewaffnete Spezialeinheiten stießen in Essen-Borbeck auf rassistische, antisemitische und antimuslimische Schriften. 16 Rohrkörper, einige präpariert mit Uhren und Nägeln, wurden abtransportiert. Die Anklagevorwürfe lauten: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Terrorismusfinanzierung und Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz.

Der Bundesgerichtshof hatte dem Schüler im August ungewöhnlich deutlich in einem Beschluss eine «gefestigte rassistische Gesinnung», «massive Gewaltbereitschaft» und «schädliche Neigungen» attestiert. Die Einzelheiten des geplanten «Massakers» habe der Jugendliche in einem Tagebuch und einem «Manifest» ausgearbeitet.

Für Nachahmer habe er umfangreiche Handlungsanweisungen verfasst und Videobotschaften aufgezeichnet. Denn darum sei es ihm gegangen, betonte am Freitag auch die Bundesanwaltschaft: Nachahmer aus der rechtsextremen Szene zu motivieren.

Noch in der Untersuchungshaft habe er gegenüber Bediensteten «offen von seinem Anschlagsplan, seinen Mordfantasien, seinem Ausländerhass» und seiner Bewunderung für rechtsextremistische Attentäter gesprochen und «blinde Entschlossenheit» gezeigt, hatte der Bundesgerichtshof ausgeführt.

Das Essener Don-Bosco-Gymnasium und die frühere Realschule des Angeklagten waren nach Bekanntwerden der Terrorpläne vorübergehend geschlossen und mit Sprengstoff-Spürhunden gründlich durchsucht worden. Das Gericht hat für den Prozess bis 17. Februar zehn Verhandlungstage angesetzt.

© dpa
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