Ministranten-Eklat bei Messe von Erzbischof Woelki in Rom

Bei einem Gottesdienst des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki in Rom ist es zu einer Protestaktion von Ministranten gekommen. Während der Erzbischof am Montagabend in einer Basilika vor fast 2000 Messdienern aus seiner Diözese die Predigt hielt, drehten sich viele Dutzend von ihnen um und kehrten Woelki den Rücken zu. Das berichteten am Dienstag Kölner Medien, darunter auch das Portal domradio.de, das vom Bildungswerk der Erzdiözese betrieben wird.
Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln. © Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Die Ministrantinnen und Ministranten, die sich auf einer Wallfahrt nach Rom und Assisi befanden, waren zur Messe in die Basilika St. Paul vor den Mauern gekommen. Als Woelki dann predigte, standen laut domradio.de 150 bis 200 Jugendliche auf und kehrten dem Erzbischof vor dem Altar den Rücken zu. Die Aktion ist auch auf einem Video zu sehen.

Woelki unterbrach dann seine Predigt und wandte sich an die Protestierenden. Danach wurde die Messe fortgesetzt.

Der Kardinal steht wegen seines Umgangs mit Missbrauchsskandalen in Köln schon lange heftig in der Kritik und unter Druck. Sehr viele Katholiken bewerten die Situation in der Domstadt als untragbar. Woelki hatte dem Papst auf dessen Anweisung hin vor Monaten ein Rücktrittsgesuch übermittelt. Vom Oktober 2021 bis März 2022 nahm sich Woelki auf Anweisung des Oberhauptes der katholischen Kirche eine Auszeit. Franziskus entschied bislang nicht über die Zukunft des Erzbischofs; dieser will sein Amt nur bei einer Abberufung aufgeben.

Nach dem Vorfall in Rom sagte Woelki bei domradio.de, dass er die Art und den Zeitpunkt des Protestes nicht gut fand. Die Jugendlichen hätten es «sicherlich aus ihrer Perspektive heraus gut gemeint». Er kritisierte aber, «dass man den Gottesdienst dafür nutzt» und nannte die Aktion «ein bisschen schwierig». Schon während der Messe hatte Woelki den jungen Leuten gesagt, dass Jesus den Menschen nie den Rücken zugekehrt habe. «Es ist jetzt so gewesen. Und jetzt müssen wir das so hinnehmen», bemerkte der 66-Jährige abschließend.

© dpa
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