Nur jedes fünfte CDU-Landtagsfraktionsmitglied ist weiblich

Wenige Frauen, mehr junge Leute, ausschließlich Abgeordnete mit Direktmandat und Wahlsieger Wüst auch als Erststimmen-Champion - so konstituiert sich die neue CDU-Fraktion. Jetzt muss Fraktionschef Löttgen erstmal das Wahlprogramm der Grünen lesen.
Das Logo der CDU. © Michael Kappeler/dpa/Symbolbild

Nur jedes fünfte Mitglied der neuen nordrhein-westfälischen CDU-Landtagsfraktion ist weiblich. «Das entspricht nicht unserem Anspruch als Volkspartei und nicht unserem Anspruch, breite Schichten der Gesellschaft abzubilden», räumte Fraktionschef Bodo Löttgen am Dienstag nach der konstituierenden Sitzung in Düsseldorf ein. «Es sind schlicht zu wenige.» Daher gehe der Auftrag aus der Fraktion an die Partei, daran zu arbeiten. Unter den 76 CDU-Abgeordneten, die ausnahmslos mit Direktmandat in den Landtag einziehen, sind 16 Frauen.

Ihren Vorstand wählte die Fraktion am Dienstag noch nicht. Löttgen äußerte sich nicht, ob er sich um eine Wiederwahl als Fraktionschef bewerben wird oder ein Ministeramt in einer künftigen CDU-geführten Regierung anstrebt. Über Funktionen in Fraktion und Landesregierung werde in den nächsten Tagen gemeinsam mit Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) gesprochen, sagte der 63-jährige ehemalige Kriminalkommissar.

Jetzt gehe es darum, eine Koalition auf Augenhöhe zu schmieden. Zu den Schwerpunktthemen zählten der Kampf gegen den Klimawandel, moderne Arbeitsplätze und Mobilität, bezahlbares Wohnen und beste Bildung. Auf dem Feld der Innen- und Sicherheitspolitik sei die schwarz-gelbe Koalition inhaltlich und personell mit Minister Reul sehr erfolgreich gewesen, unterstrich Löttgen.

Inwieweit das CDU-Programm mit den Programmen von SPD und Grünen zusammenpasse, könne er nicht sagen. Das der SPD habe er nicht gelesen, beim Grünen-Programm sei er gerade dabei.

Bei der Landtagswahl habe die CDU ihr bestes Ergebnis seit 2005 (44,8 Prozent) erzielt, bilanzierte Löttgen. Das beste Erststimmen-Ergebnis der Partei habe Wüst mit 60,7 Prozent eingefahren. Während die NRW-SPD ein Drittel ihrer Wählerschaft verloren habe im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 und die AfD die Hälfte, habe die CDU ihre Stimmenzahl in etwa halten können. Einen ähnlich großen Abstand zur SPD - jetzt sind es neun Prozentpunkte - habe es in NRW zuletzt 1958 gegeben.

Der Altersdurchschnitt in der größten Landtagsfraktion liege bei rund 48 Jahren. Ältester Abgeordneter ist der 69-jährige Innenminister Herbert Reul. Auch er hat seinen Wahlkreis im Rheinisch-Bergischen Kreis direkt gewonnen. Reul wird am 1. Juni als Alterspräsident die konstituierende Sitzung des neugewählten Landtags eröffnen.

Der jüngste CDU-Abgeordnete ist der 25-jährige Tom Brüntrup aus Bielefeld. Mit zehn Abgeordneten aus der Jungen Union habe die Fraktion seit Jahren keine «so starke junge Gruppe» in ihren Reihen gehabt, sagte Löttgen. 56 Parteifreunde seien wieder dabei, 20 neu eingezogen - darunter langjährige Landespolitiker wie Reul, Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann oder Bau-Staatssekretär Jan Heinisch.

Mit ihren Erfolgen in Großstädten und im ländlichem Raum habe die CDU bewiesen: «Wir sind die Volkspartei in Nordrhein-Westfalen». So hätten die Christdemokraten alle Wahlkreise in Bonn und Düsseldorf geholt, ebenso wie Wahlkreise in den Großstädten Aachen, Bielefeld, Bonn, Essen, Leverkusen, Münster und Solingen.

Zusätzlich habe die CDU aber auch alle neun Wahlkreise in Südwestfalen gewonnen und fast alle im Münsterland, Bergischen Land und am Niederrhein. Im Ruhrgebiet bleibe der Befund, dass zwar über 20 Prozent der CDU-Stimmen aus dieser Region kämen, sich dies aber nicht in Mandaten niederschlage.

© dpa
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