Kunstsammlung packt Notfallkoffer für Klima-Aktionen

Mit Kleber und Tomatensuppe machen Klimaaktivisten seit Wochen in Kunstausstellungen auf ihre Forderungen aufmerksam. Museen sind in Sorge um ihre Werke. Die Kunstsammlung NRW hat für den Fall der Fälle nun einen speziellen Notfallkoffer gepackt.
Nagellackentferner gehört unter andem zu einem "Notfall Kit", aufgenommen im K20 Kunstmuseum. © David Young/dpa

Watte, Vaseline, saugfähige Tücher: Restauratoren in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen haben einen Notfallkoffer gepackt, um bei einem Angriff von Klimaaktivisten auf die Kunstwerke schnell reagieren zu können. Nachdem sich Aktivisten zuletzt in mehreren Museen an Bildern festgeklebt oder sie mit Flüssigkeiten beschüttet hatten, habe auch die Kunstsammlung in Düsseldorf einen Notfallplan entwickelt. «Dazu gehört auch der Notfallkoffer», sagte Sprecherin Susanne Fernandes am Donnerstag.

In den Koffer - der eigentlich eher ein großer Kunststoffbehälter ist - haben Fachleute aus der Restaurierungs-Abteilung zum Beispiel saugfähige Tücher gepackt, um Flüssigkeiten von einem Kunstwerk abwischen zu können. Auch Nagellackentferner, Pflanzenöl und Vaseline gehören zur Ausstattung. Sie könnten helfen, wenn sich Aktivisten an einem Kunstwerk festkleben, erklärte Chefrestauratorin Nina Quabeck. Auch ein Spezialschraubenzieher, mit dem ein wertvolles Bild notfalls schnell von der Wand abgenommen werden kann, ist Teil des Sets.

«Wenn etwas passiert, müssen wir schnell reagieren können. Es heißt ja nicht von ungefähr «Sekundenkleber». Je länger der Zeit hat, zu trocknen, desto besser hält er», erklärte Quabeck.

Allerdings müssten die Fachleute im Ernstfall trotz des Zeitdrucks auch einige rechtliche Aspekte im Blick behalten, sagte Sprecherin Fernandes. «Wenn ein Bild betroffen ist, müssen wir erstmal klären, wem es gehört. Wir haben ja viele Leihgaben. In so einem Fall müssen wir mit dem Besitzer klären, welche Schritte wir überhaupt ergreifen dürfen.» Wenn sich Aktivisten an einem Werk festkleben sollten, müssten die Restauratoren beim Ablösen der Hände auch darauf achten, die Aktivisten nicht zu berühren - das dürften nur Rettungskräfte oder die Polizei.

Klar sei aber auch: Jeder Angriff auf Kunstwerke hinterlasse einen Schaden. «Es kann nur darum gehen, die Schädigung eines Bildes so gering wie möglich zu halten», sagte Fernandes. Mit verschärften Maßnahmen beim Einlass in die Ausstellungshäuser will die Kunstsammlung deshalb Protest-Aktionen an den ausgestellten Werken möglichst von vornherein verhindern.

Klimaaktivistinnen und -aktivisten haben zuletzt in Deutschland und anderen Ländern mit ihren Aktionen in Museen und Konzerthäusern Aufsehen erregt. Unter anderem wurde in London Tomatensuppe in Richtung des Werks «Sonnenblumen» von Vincent van Gogh geworfen. Das Werk war durch eine Glasscheibe geschützt. In Wien wurde das - ebenfalls mit Glas geschützte - Gemälde «Tod und Leben» von Gustav Klimt mit Öl angeschüttet. Einer der Aktivisten klebte sich mit der Hand an das Schutzglas.

Zahlreiche Museen auch in Nordrhein-Westfalen haben daraufhin ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Unter anderem gibt es Taschenkontrollen am Eingang oder die Besucher müssen Rücksäcke und Jacken an der Garderobe lassen.

Zuerst hatte die «Bild» über den Düsseldorfer Notfallkoffer berichtet.

© dpa
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