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Multi-Millionen-Programm für Brücken, Straßen und Tunnel

Die Aufgabe ist gewaltig und jeder hat sie vor Augen: Etliche marode Straßen, Brücken und Tunnel in NRW müssen erneuert werden. Das erfordert dreistellige Millionensummen und viel Zeit. Ein neuralgischer Punkt im NRW-Sanierungsplan sind fehlende Fachkräfte.
Oliver Krischer
Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen), Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr. © Henning Kaiser/dpa

Viele Straßen, Brücken und Tunnel in Nordrhein-Westfalen sind akut gefährdet. Das hat eine aktuelle Bauwerksprüfung ergeben, die Landesverkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) am Donnerstag in Düsseldorf vorstellte. Eine weitere Vollsperrung, ähnlich wie bei der Rahmedetalbrücke, scheint sich derzeit aber nicht abzuzeichnen. Allerdings müssen dreistellige Millionen-Beträge in eine jahrzehntelang vernachlässigte Infrastruktur investiert werden. Im Folgenden die wesentlichen Einzelheiten:

Straßen: 36 Prozent der Landesstraßen sind inzwischen in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Der Anteil der sehr schlechten Straßen habe sich deutlich erhöht, stellte die technische Direktorin des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen NRW), Petra Beckefeld, fest. Diesen Anteil will Krischer innerhalb von zehn Jahren «auf null reduzieren».

Tunnelsicherheit: Bis 2030 müssen in Tunnelbauwerke im Bereich von Bundes- und Landesstraßen rund 213 Millionen Euro investiert werden. Dennoch können alle Tunnel im Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebs Straßen NRW aus Sicht der Behörde «zurzeit sicher betrieben werden». Für alle Tunnel mit kritischen oder schlechten Zustandsnoten seien bereits Maßnahmen im Gange oder sogar schon kurz vor dem Abschluss.

Problem-Tunnel: Die Nutzungsdauer der sicherheitstechnischen Anlagenteile ist bei Tunnelanlagen wesentlicher geringer als beim Bauwerk selbst. Daraus ergeben sich beträchtliche Ausfallrisiken. Beim betriebstechnischen Zustand weisen von 16 Tunnelbauwerken an Bundesstraßen zwei ein hohes und fünf ein erhöhtes Ausfallrisiko auf. An Landesstraßen sind von 20 Tunnelbauwerken zehn durch hohes und drei durch erhöhtes Ausfallrisiko gefährdet.

Negativ-Ausreißer: Beim Zustand der Straßentunnel bildet der Tunnel an der Adenauerallee in Aachen (L 260) mit einer Zustandsnote von 3,5 das Schlusslicht. Er ist neben dem Tunnel Dortmund-Berghofen (B 236) einer der beiden Bundesstraßen-Tunnel mit hohem Ausfallrisiko. Ab einer Zustandsnote von 3,5 beginnt ein ungenügender Zustand, der umgehende Maßnahmen erfordert. Das Ende der Notenskala ist 4,0. Diese schlechteste Bewertung hat nur der ehemalige Eisenbahntunnel Klosterholz in Gevelsberg erreicht, der nach einer umfassenden Sanierung als Radwegtunnel freigegeben werden soll.

Brücken: Bei den Brücken seien in den nächsten zehn Jahren rund 400 Bauwerke zu ersetzen, berichtete Krischer. Er stellte ein Zehn-Jahres-Programm zur Brückenerneuerung vor. Als Einstieg in die Sanierungsoffensive stehen demnach im kommenden Jahr für 35 Brücken Ersatzneubauten an. Seinen Angaben zufolge werden sich dann zusammen mit den bereits begonnenen Arbeiten 51 Brückenbaumaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 160 Millionen Euro im Bau befinden.

Ursachen: Für die akute Gefährdung der Verkehrsinfrastruktur sieht Krischer zwei Ursachen: Zum einen den starken Zuwachs insbesondere beim Güterverkehr, zum anderem einen Sanierungsstau, der über Jahrzehnte angewachsen ist. Die Brücken seien im Durchschnitt 50 Jahre alt. Kein Mensch habe sich damals beim Bau von Straßen und Brücken vorstellen können, in welcher Größe und in welcher Menge heute Laster auf der Straße seien, sagte Beckefeld. In den vergangenen Jahren sei die Idee verfolgt worden, je größer die Lkw seien, desto weniger seien auf der Straße. «Wenn die größer und länger sind, dann sind die aber so schwer, dass sie unsere Brücken massiv schädigen.»

Rahmede-Menetekel: Aus dem Debakel um die inzwischen abgerissene Rahmede-Talbrücke der Sauerlandlinie A45 mit Vollsperrung und massiven Nachteilen für Anwohner, Pendler und die regionale Wirtschaft seien Konsequenzen gezogen worden, versicherte Beckefeld. Vergleichbare Bauwerke seien daraufhin sofort untersucht worden. Dabei sei aber festgestellt worden, «dass wir vergleichbare Effekte bei unseren Bauten nicht haben». Der Bund habe vorgegeben, zusätzlich zu den turnusmäßigen Prüfungen gerade bei großen und kritischen Bauwerken auch den Traglast-Index zu ermitteln, «der noch mal eine andere Charakteristik eines Versagens einer Brücke abdeckt», erklärte Beckefeld.

Verkehrsfluss: Gerade im Umleitungsbereich der Rahmede-Talbrücke behalte der Landesbetrieb Straßen NRW beim Brückensanierungsprogramm im Blick, «den Verkehr nicht komplett zum Erliegen zu bringen», sagte die technische Direktorin. So werde etwa mit einer Behelfsbrücke in Altena dafür gesorgt, dass es nicht zusätzlich massive Verkehrsbeeinträchtigungen gebe.

Sanierungsstau: Die nötigen Sanierungen werden erschwert durch Engpässe in der Bauwirtschaft - vor allem im hoch spezialisierten Tunnelbau. «In der Regel bekommen wir nur ein Angebot», berichtete Beckefeld. Die Marktabhängigkeit sei hier noch sehr viel größer als in anderen Bereichen. Der Landesbetrieb wolle versuchen, durch Stellenverlagerungen gegenzusteuern.

Mammutaufgabe: Allein in die Zuständigkeit des Landesbetriebs Straßen NRW fallen nach Angaben des Verkehrsministeriums mehr als 16 500 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, 39 Tunnelanlagen mit einer Gesamtröhrenlänge von etwa 27 Kilometern, rund 6800 Brücken- und Ingenieurbauten sowie mehr als 7800 Kilometer Radwege. Hinzu kommen weitere Straßeninfrastrukturbauten, für die die Kommunen und der Bund mit der Autobahn GmbH verantwortlich sind.

Reaktionen: Während die Landtagsfraktion der Grünen den Schwerpunkt Sanierung und Ersatzbau vor Neubau begrüßte, sprach die FDP-Opposition von einer Milchmädchenrechnung. «Zahlreiche Kommunen warten auf den Bau von Ortsumgehungen, um ihre Innenstädte zu entlasten», unterstrich der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Christof Rasche. «Für ein leistungsfähiges Straßennetz und für den Industriestandort NRW benötigen wir beides: Neubau und Sanierung.» Die Bauindustrie NRW begrüßte hingegen die angekündigte Sanierungsoffensive.

© dpa
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