Ein Jahr A45-Brückendesaster: Wüst in Lüdenscheid

Seit einem Jahr ist die A45-Rahmede-Talbrücke in Lüdenscheid nun gesperrt - eine Katastrophe für die Region. Regierungschef Hendrik Wüst spricht dort nun mit Politik, Wirtschaft und Anwohnern. Eine Bürgerinitiative fordert Taten statt «Schauveranstaltung».
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). © Dieter Menne/dpa/Archivbild

Ein Jahr nach der folgenschweren Sperrung der A45-Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid haben Betroffene in der stark beeinträchtigten Region schnelle Hilfen von der Politik verlangt. Vor einem Gespräch mit Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) am Montag forderte die Bürgerinitiative A45-Lüdenscheid ein klares Konzept zu einem Durchfahrtsverbot für den Transit-Schwerlastverkehr. «Was wir nicht brauchen, ist eine Schauveranstaltung oder dass uns Bürgern da nur ein kleines Häppchen vorgeworfen wird», sagte der Sprecher der Initiative, Heiko Schürfeld, der Deutschen Presse-Agentur.

Seit dem 2. Dezember 2021 ist die marode Autobahnbrücke Rahmende an der deutschlandweit wichtigen Nord-Süd-Achse (Frankfurt-Dortmund) bei Lüdenscheid voll gesperrt. Täglich donnern rund 20.000 zusätzliche Fahrzeuge, davon rund 6000 Lastwagen, durch Umleitungsstrecken in der Sauerlandstadt. Anwohner und Unternehmen in der Region sind stark belastet durch Lärm, Abgase und Dauerstau, sie sind aber auch von Lieferproblemen, Umsatzeinbrüchen und der Abwanderung von Arbeitskräften schwer getroffen.

Die Bürgerinitiative verlangt ein weiträumiges Umleitungskonzept für den Transitschwerlastverkehr, das die Stadt wie auch die angrenzenden Kommunen entlastet. Einige Anwohner haben sich Schürfeld zufolge an eine Anwaltskanzlei gewandt, die der Forderung in einem Schreiben an das Verkehrsministerium in Düsseldorf, an die Autobahn GmbH und Straßen.NRW Nachdruck verliehen habe. Die Zeit dränge - auch wegen der deutlich steigenden Unfallgefahr infolge von Wintereinbruch und Schneefall.

Für den nach bisheriger Planung auf fünf Jahre veranschlagten Neubau der Talbrücke hatte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) den Lüdenscheider Bürgermeister Sebastian Wagemeyer (SPD) als Bürgerbeauftragten eingesetzt, der das Brückenbauer-Büro unterhält. Dort sagte Büroleiter Mario Bredow, die Stadt im Märkischen Kreis mit mehr als 70.000 Einwohnern klammere sich nach einem Jahr extremer Belastungen inzwischen an «jeden Strohhalm». Die Verkehrsministerien von Bund und Land NRW hätten ihre bisherige Auffassung, dass ein gefordertes Durchfahrtsverbot nicht möglich sei, erst vor wenigen Tagen geändert. Nun vertrete man dort die Position, dass ein Transitverbot für den Schwerlastverkehr doch machbar sei und von der Kommune angeordnet werden müsse.

Ein Konzept der Stadt dazu sei vor wenigen Tagen vom Märkischen Kreis in einer Schaltkonferenz mit allen beteiligten Akteuren aber zunächst abgelehnt worden, berichtete Bredow. In einer weiteren Runde sei dann vom Kreis doch eine Prüfung der Planungen zugesagt worden. Wagemeyer kritisierte jüngst, dass Egoismus, Parteidenken, Einzelinteressen und Tricksereien bisher oft verhindert hätten, dass alle an einem Strang ziehen. Man müsse jetzt «Hand in Hand» und mit Hochdruck an Lösungen arbeiten - nach einem katastrophalen Jahr.

Wüst hatte vor einigen Tagen eine Entlastung für Lüdenscheid in Aussicht gestellt. «Bund und Land haben es gemeinsam möglich gemacht, dass ein Durchfahrtsverbot für Lkw möglich ist», hatte er dem «Westfälischen Anzeiger» (WA) gesagt. Laut Regierungschef könnten die örtlichen Behörden nun die entsprechende Anordnung treffen.

Vor der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) am Donnerstag warnte Wüst davor, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter auf die lange Bank zu schieben. «Es wäre gut gewesen, wenn wir noch in diesem Jahr dazu mit dem Bundeskanzler zusammengekommen wären und dabei etwas herauskommen wäre», monierte der MPK-Vizevorsitzende im WA. Es sei enttäuschend, dass das Thema nun von der Tagesordnung für Donnerstag genommen worden sei. «Verabredet war, einen Pakt für Planungsbeschleunigung zu beschließen.» Der Bund habe aber noch keine ausreichenden Vorschläge zur Planungsbeschleunigung gemacht. Das Beispiel in Lüdenscheid zeige, «wie lange in Deutschland Planung selbst dann dauert, wenn unter Hochdruck daran gearbeitet wird», betonte Wüst.

Bund und NRW hatten beim Rahmede-Neubau Tempo zugesagt. Ein Termin für die Sprengung des Bauwerks war aber bereits verschoben worden.

© dpa
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