Ferien-Ende ohne Chaos auf Flughäfen, Straßen und Bahnhöfen

Ist es eine Trendwende? Nach wochenlangem Nervenkrieg in Extrem-Schlangen an den Flughäfen entspannt sich die Lage in NRW kurz vor Ferienende.
Ein Trolley steht in einem Verbindungsgang am Flughafen Köln/Bonn. © Thomas Banneyer/dpa/Archivbild

Aufatmen an den großen nordrhein-westfälischen Flughäfen: Nach wochenlangem Ärger über extrem lange Warteschlangen und kurzfristige Flugausfälle erlebten die meisten Reisenden am vorletzten Ferienwochenende im bevölkerungsreichsten Bundesland fast unverhofft Normalbetrieb.

Es war das erste Sommerferien-Wochenende, wo nun zusammen mit Bayern und Baden-Württemberg alle Bundesländer ihre Schulen geschlossen haben. Das wegen der An- und Rückreiseströme von manchen befürchtete Chaos blieb aber in NRW zumindest bis zum Sonntagnachmittag aus.

Hier war der Verkehr sowohl an den Flughäfen als auch auf den Autobahnen und Bahnstrecken ähnlich wie an anderen Wochenenden. Am Sonntagnachmittag nahm der Verkehr auf den Autobahnen zwar zu, die angezeigten Verzögerungen hielten sich aber zunächst in Grenzen.

Der ADAC hatte für die bundesweiten Autobahnen eines der schlimmsten Stauwochenenden der Saison prognostiziert. Größere Behinderungen meldete der Automobil-Club am Wochenende vor allem für Nord- und Süddeutschland.

Der Airport Köln/Bonn, der Zehntausende Passagiere in den vergangenen Ferienwochen wegen personeller Engpässe mit besonders langen Schlangen und etlichen Flugabsagen verprellt hatte, konnte am Sonntagmorgen zwischenzeitlich sogar über Twitter vermelden: «Vor der Sicherheitskontrolle gibt es aktuell (8:30 Uhr) keine Wartezeit».

Auch am Samstag war sie dort mit maximal 60 Minuten beziffert worden. Die in den Vorwochen berüchtigten Rückstaus bis zu den benachbarten Terminals oder gar vor das Flughafengebäude waren nach Beobachtungen eines dpa-Reporters aber nicht mehr zu sehen. Flughafensprecher Alexander Weise freute sich über «ganz normale Wartezeiten».

Auch am größten NRW-Flughafen in Düsseldorf wurden am Wochenende nur kurze Geduldsproben zwischen weniger als fünf bis zu maximal 20 Minuten an den Flugsteigen ausgewiesen. Die Lage im Terminal sei über das Wochenende «ruhig und geordnet» gewesen, sagte Sprecherin Claudia Finke der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Allerdings sei der Airport von den branchenweiten Personalengpässen weiterhin betroffen - vor allem in den Spitzenzeiten. Dadurch sei es zeitweilig an der Gepäckausgabe zu längeren Wartezeiten gekommen.

Der Düsseldorfer Flughafen wies seine Passagiere über ein Laufband auf seiner Internetseite vorsorglich darauf hin, dass es «zu längeren Wartezeiten bei der Passagierabfertigung kommen» könnte, die Fluggesellschaften in der Regel aber nicht früher als drei Stunden vor Abflug mit dem Check-in beginnen. In der Landeshauptstadt wurde aber bereits mit einem Früh-Check-in ab 3.00 Uhr morgens auf die Warteschlangen reagiert.

In den Abfluglisten beider Airports tauchten am Wochenende nur vereinzelt Annullierungen auf. In den ersten Ferienwochen waren in NRW hingegen Tausende von Absagen betroffen, von denen sie zum Teil erst in ihrer Warteschlange erfahren mussten. Die Folge waren nicht selten Tränen, Wut, aber auch aggressives Vordrängeln unter den Wartenden. Es gab sogar Polizei-Einsätze.

Diesmal vermeldeten die Airports «keine besonderen Vorkommnisse». Dort, wo sich Schlangen bildeten, wurde nach Angaben der Sprecher an beiden Flughäfen Wasser an wartende Fluggäste verteilt.

Das Wochenende sei mit voraussichtlich über 190.000 Passagieren in Düsseldorf zwischen Freitag und Sonntag sehr verkehrsstark gewesen, teilte Sprecherin Finke mit. In Köln/Bonn wurde für diesen Zeitraum mit etwa 110.000 Passagieren gerechnet.

Die Beobachter von Verdi hatten nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Özay Tarim keine gegenteiligen Informationen über die Lage an den Flughäfen. Längere Warteschlagen, die es in Köln noch am Freitagabend bis hinein in die frühen Morgenstunden gegeben habe, seien aufgelöst worden, bestätigte er der dpa.

Die Bundespolizei, in deren Auftrag Firmen das Handgepäck der Fluggäste prüfen, hat in Köln für dieses Wochenende Personal für zwei weitere Linien der Sicherheitsprüfung ordern können. Auch Bundespolizisten sollten bei der Sicherheitskontrolle helfen.

Die zweite Sicherheitsfirma, die an beiden Airports zusätzlich eingesetzt worden sei, bringe mit wenig Personal nicht mehr als «ein Tropfen auf dem heißen Stein», kritisierte Tarim. Seit dem Ferienbeginn in NRW Ende Juni habe es von den Beschäftigten beider Flughäfen schon 170 Überlastungsanzeigen aus Köln und über 100 aus Düsseldorf gegeben. Diese Anzeigen sind Hinweise an den Arbeitgeber, dass die Arbeit nicht mehr ordnungsgemäß erfüllt werden kann.

Die schon frühzeitig von den Flug- und Reisegesellschaften avisierten Buchungszahlen seien «ignoriert und verpennt worden», kritisierte der Gewerkschafter. Das Bundesinnenministerium als Auftraggeber der Sicherheitskräfte habe zu defensiv agiert. «Ein solcher Auftrag gehört nicht in die Hände gewinnorientierter privater Sicherheitsfirmen, sondern - wie in Bayern - in die öffentliche Hand.»

© dpa
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