Schüler erhalten Halbjahreszeugnisse, GEW will Entlastung

Das Schuljahr ist zur Hälfte um. Das zeigen die Halbjahreszeugnisse. Die Gewerkschaft GEW nimmt diesen Termin zum Anlass, um auf den Lehrkräftemangel hinzuweisen und erneut Entlastungen zu fordern.
Eine Schülerin nimmt am Unterricht teil. © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Die meisten der landesweit etwa 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen bekommen an diesem Freitag ein Halbjahreszeugnis. Nach Auskunft des Schulministerium konnten Grundschulen schon seit Montag Halbjahreszeugnisse ausgeben.

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) bezeichnete die Zeugnisse als wichtige Rückmeldung an die Kinder und Jugendlichen. Sie spiegelten wider, «was gut läuft oder wo noch optimiert werden könnte». Bei Fragen zur Notengebung oder zum weiteren Verlauf der Schullaufbahn können sich Schüler und Eltern laut Ministerium an Zeugnistelefone der Bezirksregierungen wenden.

Unterdessen geht die Diskussion über den Lehrkräftemangel weiter, der nach Ansicht der Gewerkschaft GEW im ersten Halbjahr flächendeckend deutlich geworden sei. «In einem System, das von Mangel geprägt ist, wird Bildung zu einer Hercules-Aufgabe», sagte GEW-Landeschefin Ayla Çelik der Deutschen Presse-Agentur. Dort, wo Unterricht reihenweise ausfalle, weil Lehrkräfte fehlten und aufgrund von Erkrankungen nicht mehr vertreten werden könnten, finde derzeit keine Bildung statt.

Die Landesregierung müsse die Lehrkräfte von nicht pädagogischen Aufgaben etwa durch IT-Fachkräfte und Schulverwaltungsassiztenzen entlasten, bekräftigte die GEW-Landevorsitzende. Darüber hinaus müsse auch darüber gesprochen werden, ob etwa die Zahl der Klausuren temporär gedrosselt, die Frequenz der Lehrerkonferenzen gesenkt und eine Entschlackung der Pflichtaufgaben erreicht werden könne. In Nordrhein-Westfalen fehlten landesweit mehr als 8000 Lehrkräfte.

Schulministerin Feller hatte Maßnahmen vorgestellt, die den Lehrkräftemangel lindern sollen - etwa durch mehr Seiteneinsteiger, Alltagshelfer, rigorosere Abordnungen und weniger Klassenarbeiten. Dafür würden aktuell rechtliche Verordnungen angepasst und Anweisungen für die Bezirksregierungen erarbeitet - im Frühjahr solle alles soweit fertig sein, hatte sie erst am Mittwoch gesagt.

Die Gewerkschaft VBE NRW hatte rückblickend auf das ersten Halbjahr auf einen hohen Krankenstand bei den Schülerinnen und Schülern vor Weihnachten hingewiesen. Dadurch sei die Situation entstanden, dass Arbeiten direkt nach den Ferien nachgeschrieben werden mussten, was für Stress in den Schulen gesorgt habe. Die Landeselternkonferenz NRW sprach von einem großen Leistungsdruck durch den hohen Krankenstand, Ausfälle und den anstehenden Termin der Halbjahreszeugnisse. Der Umfang verpflichtender Arbeiten hätte reduziert werden müssen.

Die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse ist diesmal im Vergleich zu vorangegangenen Jahren relativ früh im Januar. Nach Auskunft des NRW-Schulministeriums spielen bei der Festlegung die weiteren Ferientermine eine Rolle: Die Sommerferien beginnen in NRW in diesem Jahr bereits am 22. Juni. Das laufende Schuljahr 2022/23 ist laut Ministerium insgesamt aber nicht kürzer als frühere Schuljahre.

© dpa
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