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Lebenslange Freiheitsstrafe für Thallium-Mörder

Er hält eine freundliche und liebevolle Fassade aufrecht – aber innerhalb weniger Monate sterben zwei Frauen im Umfeld des Mannes einen qualvollen Tod. Jetzt gibt es ein Urteil gegen den «Thallium-Mörder».
Prozess um Thallium-Giftmorde
Der Angeklagte (M) im «Thallium-Prozess» spricht mit seinem Anwalt. © Gregor Bauernfeind/dpa

Ein 42-jähriger Mann ist unter anderem wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er zwei Frauen mit dem Schwermetall Thallium tödlich vergiftet hat. Es gebe keinen Zweifel, dass der Angeklagte «eine perverse, sadistische und grausame Seite hat», sagte die Richterin bei der Urteilsverkündung am Montag am Landgericht Köln. Nach außen hin hatte der Mann demnach eine freundliche Fassade aufrecht gehalten. Die Richterin kritisierte außerdem die Düsseldorfer Polizei für deren aus ihrer Sicht nachlässige Ermittlungsarbeit.

Das Gericht sah es als erwiesen, dass der Mann in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt drei Frauen mit dem geruch- und geschmacklosen Schwermetall Thallium vergiftete: Seine Ehefrau, nach dem Tod dieser Frau auch seine neue Lebensgefährtin und deren Großmutter. Nur die neue Freundin überlebte die Vergiftung, die beiden anderen Frauen starben einen qualvollen Tod.

Die Richter wiesen dem Mann nach, sich 25 Gramm Thallium besorgt zu haben – schon ein Gramm ist für Menschen tödlich. Zunächst traf es seine erste Ehefrau, mit der der Mann laut den Schilderungen eine nach außen hin glückliche Beziehung geführt und noch eine Hochzeit in großem Stil gefeiert hatte. Schließlich bekam sie Vergiftungserscheinungen: Furchtbare Schmerzen, Haarausfall, Atembeschwerden. «Sie stirbt einen grausamen Tod mit 35 Jahren», sagte die Richterin.

Auf den Mann fällt da noch kein Verdacht. «Das wäre ein nie aufgeklärter Mord geworden, wenn der Angeklagte nicht weiter gemordet hätte», sagte die Richterin. Denn der Mann geht schon kurze Zeit nach dem Tod der Frau die nächste Beziehung ein. Auch deren Großmutter stirbt bald an einer Vergiftung – und schließlich bekommt auch diese neue Freundin selbst Vergiftungserscheinungen. Die mit dem gemeinsamen Kind schwangere Frau kann aber durch ein Gegenmittel gerade noch rechtzeitig gerettet werden. In diesem Fall lautete das Urteil am Montag auf versuchten Mord.

Das ungeborene Baby aber stirbt. Ein Zusammenhang mit Thallium lässt sich zwar juristisch nicht eindeutig nachweisen, laut der Richterin war ein Einfluss des Giftes aber wahrscheinlich.

Die Düsseldorfer Polizei blieb in der Phase weitgehend untätig, wie die Richterin kritisierte. «Das ist für die Kammer unverständlich, wie da gehandelt wurde», sagte sie. Erst auf die Initiative der Mutter der vergifteten Freundin kam demnach Bewegung in den Fall. «Glücklicherweise wendet sie sich nicht an die Düsseldorfer, sondern an die Hürther Polizei», sagte sie. Dort wird eine Mordkommission eingesetzt, bald finden die Ermittler bei einer Durchsuchung Gift.

Der Mann schwieg zunächst, im Prozess bestritt er die Taten und erklärte den Tod der Ehefrau etwa mit Selbstmord. «Das ist völlig abstrus», sagte die Richterin. Den heute 42-Jährigen beschrieb sie als nach außen hin unauffällig: Er sei kein exzentrischer Einzelgänger, sei von vielen Zeugen als freundlich beschrieben worden. Er machte Abitur, brach später ein Studium ab und wurde Krankenpfleger. Er sei finanziell abgesichert gewesen, habe Hobbys und ein soziales Umfeld gehabt, sagte sie.

Gerade diese Kombination aus brutalen Taten mit freundlicher Fassade machen den Täter laut der Richterin extrem gefährlich. Er sei ein Mensch, der bestens funktioniere, aber seine Umgebung manipuliere, und könne dabei Mittel benutzen, die nur von Experten entdeckt werden könnten. Er habe kein Mitgefühl gezeigt, habe die Angst gesehen, das Sterben beobachtet und die Frauen – nach außen hin liebevoll – in den Tod begleitet. Das Urteil am Montag nahm er regungslos hin.

«Aus jetziger Sicht dürfen Sie nie mehr in Freiheit kommen», sagte die Richterin. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung fest. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

© dpa
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