«Verfemt» und «gefeiert»: Große Expressionisten-Schau

100 Jahre Folkwang-Museum in Essen: Nach der erfolgreichen Schau über Impressionisten sind jetzt die Expressionisten die zweite große Ausstellung im Rahmen der Feierlichkeiten.
Ein Besucher geht am Bild „Jugend“ aus dem Jahr 1910 von Edvard Munch vorbei. © Federico Gambarini/dpa

Nach einer erfolgreichen Impressionisten-Ausstellung rücken im Jubiläumsjahr des Museums Folkwang in Essen nun die Expressionisten in den Fokus. Mit der Ausstellung «Entdeckt - Verfemt - Gefeiert» nimmt das Museum im Rahmen der Feierlichkeiten zu seinem 100-jährigen Bestehen einen Schwerpunkt in den Fokus, der eng mit der Geschichte des Hauses verwoben ist. Die Schau ab diesem Samstag (20.8.) ist bis 8. Januar zu sehen. Sie will die vielfältigen Verbindungen zwischen Künstlern und dem Museum nachzeichnen und beleuchtet diese Kunstrichtung von etwa 1900 bis in die Gegenwart.

«Es gibt wohl kein Museum in Deutschland, dessen Geschichte so eng mit den Künstlerinnen und Künstlern dieser Zeit verbunden ist wie das Folkwang», sagte Museumsdirektor Peter Gorschlüter am Donnerstag in Essen. Alle 250 auf einer Fläche von 1400 Quadratmetern gezeigten Meisterwerke haben laut Gorschlüter einen Folkwang-Bezug.

Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus schätzte die moderne Malerei des späten 19. Jahrhunderts und erwarb schon früh Werke von Vincent van Gogh, Paul Gauguin oder Edvard Munch. Doch sein Interesse galt auch den aktuellen künstlerischen Entwicklungen. Der damals revolutionäre Expressionismus spielte eine besondere Rolle.

Osthaus präsentierte Werke der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergemeinschaft «Brücke» rund um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff. Auch August Macke, Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter oder Franz Marc vom «Blauen Reiter» in München gastierten. Ab 1910 kamen die Wiener Künstler Oskar Kokoschka und Egon Schiele hinzu.

Einige dieser Werke sind nun als Leihgaben erstmals seit 85 Jahren wieder zurück im Museum Folkwang. So führt die Ausstellung Werke der hauseigenen Sammlung mit Leihgaben aus Spanien, Österreich, der Schweiz und Deutschland zusammen.

Die Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 war für den Expressionismus wie für das Museum eine Katastrophe. Statt - wie unter anderem von Nolde erhofft - einen Siegeszug als repräsentative Kunst der neuen Zeit anzutreten, wurde sie als «entartet» diffamiert. Der Staat beschlagnahmte zahlreiche Werke, auch das Folkwang blieb von den Nazis nicht verschont.

Nach der Zerstörung des Museumsgebäudes im Zweiten Weltkrieg folgte nach 1945 der Neuanfang. Schon in den späten 1940er Jahren gab es die ersten Expressionisten-Ausstellungen in Essener Ausweichquartieren.

Über Jahrzehnte wuchs durch Ankäufe, Schenkungen und Stiftungen wieder eine herausragende Sammlung expressionistischer Kunst. Die Jubiläumsausstellung ermöglicht einen Einblick in die Bandbreite und Vielfalt des Expressionismus und seiner wechselvollen Geschichte.

Den Start in die Expressionisten-Ausstellung bildet das «24-Stunden-Sommerfest», zu dem das Museum am Freitag (19.8. ab 18.00 Uhr) und Samstag die Besucher einlädt.

Nach dem Erfolg 2019 öffnet das Museum eine Nacht und einen Tag seine Türen. Es soll «Non-Stop» gefeiert werden, versprechen die Organisatoren. Das Programm bietet Konzerte, Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern, Filmaufführungen, Performances, Lesungen bis zum «Yoga zum Sonnenaufgang». Der Eintritt und die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist frei.

Das Publikum könne sich dabei unter anderem auf den Fotokünstler Philipp Goldbach, die Residency-Künstlerin Kate Mackeson oder eine große Plakat-Auktion freuen. Zudem finden Führungen durch die Expressionisten-Ausstellung mit den Kuratoren statt. Speziell für Kinder soll es Taschenlampen-Führungen geben. Interessierte können sich in Landschafts- und Stillleben-Malerei selbst erproben.

© dpa
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