«Stückelmord» im Rockermilieu: Angeklagte schweigen

Ein Mitglied der Hells Angels wird erschossen und zerstückelt. Leichenteile tauchen später im Rhein auf. Es soll eine Bestrafungsaktion gewesen sein. Jetzt stehen sechs ehemalige Weggefährten vor Gericht – und schweigen.
Zwei von sechs Angeklagten (vorne r. und hinten r.) warten auf den Beginn des Prozesses. © Roland Weihrauch/dpa

Es war eine tödliche Falle: Ein Mitglied der Hells Angels soll im Januar 2014 unter dem Vorwand eines geheimen Waffengeschäfts in einen Autoanhänger in Mönchengladbach gelockt worden sein. Kurz darauf traf den 32-Jährigen ein Schuss in den Hinterkopf. Die mutmaßliche Waffe: eine Maschinenpistole mit aufgesetztem Schalldämpfer. Teile der zerstückelten Leiche tauchten später im Rhein auf. Am Dienstag hat der Fall das Duisburger Landgericht erreicht.

Angeklagt sind sechs Männer, die zur Tatzeit ebenfalls Mitglieder des Motorradclubs Hells Angels gewesen sein sollen. Fünf von ihnen sollen sich an der tödlichen Bestrafungsaktion in den eigenen Reihen beteiligt haben. Zum Prozessauftakt schwiegen die 35 bis 46 Jahre alten Angeklagten zu den Vorwürfen.

Wolf Bonn, einer der Verteidiger, sprach am Rande des Verfahrens von schwerwiegenden Vorwürfen, zeigte sich jedoch zuversichtlich: «Im Rahmen der Beweisaufnahme wird sich ergeben, dass die Tatvorwürfe unberechtigt sind.»

Auch die Mutter des Opfers war zum Prozessauftakt erschienen. «Die letzten acht Jahre waren schwer für mich», sagte sie den Richtern. Ihr Anwalt Ralph Reckmann sprach von «Wut, Angst und sehr viel Trauer», die seine Mandantin empfinde.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann mit dem Tode bestraft worden ist, weil er die Rockergruppe möglicherweise hintergangen habe. «Die Tötung diente der Beseitigung eines Verräters und damit der Festigung der Machtposition der Hells Angels», heißt es in der Anklage.

Der Hänger mit der Leiche wurde laut Anklage anschließend zu einer Werkstatthalle nach Bochum gefahren. Dort soll die Leiche mit einem Trennschleifgerät zerstückelt worden sein. Die Körperteile seien danach in Speisfässern verstaut, mit Beton übergossen und im Rhein sowie in anderen Gewässern versenkt worden. Auch das verwendete Werkzeug wurde laut Anklage so entsorgt.

Später waren einzelne Leichenteile jedoch wieder aufgetaucht. Andere konnten erst geborgen werden, nachdem sich ein sogenannter Kronzeuge bei der Polizei gemeldet hatte.

Diesem Zeugen kommt im Prozess eine entscheidende Bedeutung zu. Doch auch er wird von Seiten der Verteidigung mit Skepsis beäugt. «Die Verteidigung steht auf dem Standpunkt, dass der Tatvorwurf alleine auf dieser Zeugenaussage nicht begründet werden kann», sagte Verteidiger André Miegel vor Prozessbeginn. «Weil ich ganz erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieses Zeugen habe.»

Der Prozess findet unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Jeder Besucher wurde am ersten Verhandlungstag doppelt auf Waffen oder andere gefährliche Gegenstände durchsucht, Polizisten unterstützten die Justizwachtmeister.

Der mutmaßliche Todesschütze sitzt nicht mit auf der Anklagebank. Nach ihm wird weiter gefahndet. Wie es heißt, soll er sich in seiner iranischen Heimat aufhalten. Die anderen Angeklagten haben die deutsche, kosovarische und italienische Staatsbürgerschaft. Vier sitzen in Untersuchungshaft, zwei befinden sich auf freiem Fuß.

Die Anklage lautet auf Mord, Mordversuch und Strafvereitelung. Außerdem geht es im Prozess um einen mutmaßlichen Anschlag auf ein Mitglied des Motorradclubs Bandidos. Es war im November 2013 in Oberhausen von vier Kugeln getroffen worden, überlebte aber. Das Duisburger Schwurgericht hat für den Prozess Verhandlungstermine bis Januar 2023 angesetzt.

© dpa
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