Prozess um über 200 Tonnen Shisha-Tabak: Millionenschaden

Mehr als 200 Tonnen Shisha-Tabak sollen Clan-Angehörige unversteuert in Umlauf und den Fiskus so um 4,4 Millionen Euro Steuern gebracht haben. Nun begann der Prozess.
Eine Ausgabe der Strafprozessordnung liegt in einem Gerichtssaal. © Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Mit mehr als 200 Tonnen unversteuertem Shisha-Tabak soll ein deutsch-arabischer Familienclan den Fiskus um gut 4,4 Millionen Euro Steuern geprellt haben. Seit Mittwoch müssen sich fünf Männer aus Solingen deswegen vor dem Landgericht in Düsseldorf verantworten. Ihnen wird banden- und gewerbsmäßige Steuerhinterziehung sowie Steuerhehlerei vorgeworfen.

Die Männer sind zwischen 37 und 50 Jahre alt und werden dem Essener Al-Zein-Clan zugerechnet. Sie sollen zwischen März 2016 und Juli 2018 den Tabak in einer professionell ausgestatteten Fabrikhalle verarbeitet und unter gefälschtem Markennamen bundesweit und ins europäische Ausland verkauft haben.

Bei einer Razzia im Juli 2018 in mehreren Städten waren 2,3 Tonnen des Wasserpfeifentabaks, 550 Kilogramm Rohtabak, Maschinen, fünf hochwertige Autos und Bargeld sichergestellt worden.

Die Vorwürfe gegen die fünf Angeklagten führt die Staatsanwaltschaft in einer mehr als 100-seitigen Anklageschrift auf. Das Verfahren gegen sieben weitere Verdächtige wurde laut Staatsanwaltschaft abgetrennt.

Die Aufgaben waren laut Anklage klar verteilt. Ein 43-Jähriger habe die Produktions- und Lagerhallen in Solingen und Langenfeld gestellt, ein 37-Jähriger die Aromastoffe und den Rohtabak besorgt, ein 45-jähriger sich um Verpackung und Vertrieb gekümmert.

«Die Bestellungen wurden meist im 100-Kilo-Bereich abgewickelt, manchmal aber auch tonnenweise», sagte der Staatsanwalt. Pro Kilo soll die Bande rund 20 Euro kassiert haben. Die Ermittler hatten die Verdächtigen aufwendig überwacht, Telefone abgehört und Chatprotokolle ausgewertet.

Bisher haben sich die Angeklagten nicht zu den Vorwürfen geäußert. Ob sich das im Verfahren ändert, ließen die Verteidiger offen. Der Prozess begann am Mittwoch mit erheblicher Verspätung, weil ein Schöffe zunächst nicht aufgetaucht war.

Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die Angeklagten nichts mit dem Leverkusener Ableger des Al-Zein-Clans zu tun haben, dessen Angehörige sich seit Monaten ebenfalls in Düsseldorf vor dem Landgericht verantworten müssen.

© dpa
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