Anschlag auf Parteibüro: Gebastelter Sprengsatz vermutet

Die Explosion am Parteibüro der Linken in Oberhausen war nach ersten Erkenntnissen der Ermittler tatsächlich ein Anschlag mit einem selbst gebastelten Sprengsatz. Wer hat ihn dort deponiert? Die Linke ist sicher, dass es Rechte waren. Die Polizei legt sich nicht fest.
In Oberhausen ist ein Geschäft durch eine Explosion beschädigt worden. © David Young/dpa

Nach der Explosion an einem Parteibüro der Linken in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) hat die Polizei nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Hinweise auf einen selbst gebastelten Sprengsatz gefunden. Aus Ermittlerkreisen hieß es, dass eine sogenannte «Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung» (USBV) verantwortlich sein könnte - gebaut unter anderem mit «Blitzsprengstoff», wie ihn Feuerwerkskörper enthalten. Hinweise auf mögliche Täter gibt es demnach noch nicht.

In der Nacht hatte die Explosion gegen 3.20 Uhr unter anderem die Scheiben des Parteibüros sowie benachbarter Geschäfte zerstört. Yusuf Karacelik, Fraktionschef der Linken in Oberhausen, sagte am Dienstag laut einer schriftlichen Mitteilung: «Wir gehen von einem gezielten Anschlag von rechts aus.» Gegenüber der dpa sprach Karacelik von einem «rechten Terroranschlag». Auch die Bundesvorsitzende der Linken, Janine Wissler, sowie NRW-Parteichef Jules El-Khatib vermuten nach eigenen Worten einen rechtsradikalen Hintergrund.

Die Ermittler verfolgen aber auch weitere mögliche Spuren. So hatten mehrere Mitglieder der Linken aus Oberhausen am Wochenende an einer Demonstration in Berlin teilgenommen, die sich gegen die Aufrüstung Deutschlands wegen des Ukraine-Kriegs richtete. Karacelik bestätigte der dpa, dass er am Dienstag von der Polizei dazu befragt worden sei. Er betonte: «Das war keine pro-russische Demo, sondern eine Friedensdemo.» Von daher sei es falsch von der Polizei, in diese Richtung zu ermitteln - sie solle lieber in der rechten Szene nach den Tätern suchen.

Eine Polizeisprecherin betonte, dass man in alle Richtungen ermittle. Weil eine politisch motivierte Tat nicht ausgeschlossen werden könne, ermittelt der Staatsschutz der Polizei Essen zusammen mit der Staatsanwaltschaft Duisburg. Vor Ort waren am Dienstag auch Experten des Landeskriminalamts im Einsatz.

Neben dem Büro der Partei am Oberhausener Friedensplatz wurden auch ein Friseurgeschäft und ein Reisebüro durch die Explosion erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Scheiben zerbrachen, Inneneinrichtungen wurden zum Teil zerstört. «Der Sachschaden ist erheblich», sagte die Polizeisprecherin. Die Ermittler suchen nun nach Zeugen.

Die Linke rief zu einer «Kundgebung gegen rechten Terror» am Tatort in Oberhausen auf, zu der am Dienstagabend nach Angaben der Polizei etwa 250 Menschen kamen. Die Demo verlief friedlich. Auf Transparenten standen Slogans wie «Alle zusammen gegen den Faschismus», «Rechter Gewalt entgegentreten» und «Gegen geistige Brandstifter».

© dpa
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