Papst nimmt Gesuch an: Paderborner Erzbischof Becker geht

Nach dem Rücktritt von Hans-Josef Becker sucht das Erzbistum Paderborn einen neuen Oberhirten. Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals steht in der sechstgrößten deutschen Diözese erst am Anfang.
Hans-Josef Becker, ehemaliger Erzbischof von Paderborn. © Arne Dedert/dpa/Archivbild

Nach 20 Jahren im Amt ist der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker zurückgetreten. Papst Franziskus nahm das Gesuch auf Amtsverzicht des 74-Jährigen an, wie der Heilige Stuhl am Samstag mitteilte.

«Die Entscheidung aus Rom macht mir erneut klar: Es war richtig, mein Amt jetzt in jüngere Hände zu geben», teilte Becker danach auf der Homepage des Erzbistums Paderborn mit. «Richtig für mich persönlich, um in Zukunft gut auf mich und meine Gesundheit aufpassen zu können. Und richtig für unser großes Bistum, das viele Zukunftsfragen angehen muss - auf der Ebene unserer eigenen Bistumsentwicklung, des Synodalen Weges und der Weltkirche.» Der Synodale Weg ist ein seit 2019 laufender Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland, der unter anderem die Position der Frauen stärken und die kirchliche Sexualmoral liberalisieren will.

In der katholischen Kirche ist es nicht selbstverständlich, dass der Papst das Rücktrittsgesuch eines Bischofs annimmt. Becker hatte zuletzt jedoch Termine wegen seiner angeschlagenen Gesundheit absagen müssen. Der gebürtige Sauerländer gilt als bodenständiger Typ, dem der persönliche Kontakt zu Gläubigen leicht fällt. In kirchenpolitischen Fragen agierte er nach außen hin eher unauffällig. In dem seit Jahren an Schärfe zunehmenden Konflikt zwischen Reformern und Traditionalisten trat er nicht als Meinungsführer in Erscheinung.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, würdigte ihn am Samstag jedoch als feste Stütze des Synodalen Wegs. «In dieser für unsere Kirche herausfordernden Zeit habe ich Dich immer als unbestechlichen Träger dieses Prozesses erfahren», teilte Bätzing mit. «Mit der notwendigen Sachlichkeit und vor allem dem realistischen Blick auf den Zustand der Kirche warst Du stets von der Notwendigkeit des Synodalen Weges überzeugt.»

Die Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs durch Priester ist im Erzbistum Paderborn noch lange nicht abgeschlossen. Das Erzbistum hat ein unabhängiges Forschungsteam der Universität Paderborn damit beauftragt, die Zeitspanne von 1941 bis 2002 zu untersuchen. Ende vergangenen Jahres wurden erste Zwischenergebnisse vorgestellt: Demnach haben Beckers Vorgänger, die Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt, Beschuldigte geschützt und die Opfer vernachlässigt. Missbrauchspriester seien einfach in andere Gemeinden weiterversetzt worden. Jaeger (1892-1975) war von 1941 bis 1973 Erzbischof von Paderborn, Degenhardt (1926-2002) von 1974 bis 2002.

Insgesamt haben die Wissenschaftlerinnen Nicole Priesching und Christine Hartig 160 Beschuldigte für die Zeit von 1941 bis 2002 identifiziert. Ihr Fazit ist, dass sowohl die Kirche als auch die Gesellschaft systematisch weggesehen und Straftaten gebilligt oder hingenommen haben. «Es gab keinerlei Sensibilität für den Schaden, den die Kinder genommen haben», sagte Hartig.

Mit 1,4 Millionen Gläubigen ist Paderborn die sechstgrößte deutsche Diözese. Geografisch erstreckt sie sich von Minden im Norden bis nach Siegen im Süden und von Höxter im Osten bis nach Herne im Ruhrgebiet. Zusätzlich zu den Gebieten in Westfalen zählen Teile des Kreises Waldeck-Frankenberg (Hessen) und die Stadt Bad Pyrmont (Niedersachsen) zum Erzbistum Paderborn.

© dpa
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