Bischof kritisiert Kölner Bistumsleitung im Fall Pilz

06.07.2022 Das Erzbistum Köln steht wegen seines Umgangs mit einem Missbrauchsvorwurf mal wieder in der Kritik - diesmal kommt sie von einem anderen Bistum. Auslöser ist der Fall eines einst prominenten Priesters In Köln räumt man Fehler ein.

Heinrich Timmerevers, Bischof des Bistums Dresden-Meißen. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers hat den Umgang des Erzbistums Köln mit Missbrauchsvorwürfen gegen den 2019 gestorbenen früheren Chef der Sternsinger, Winfried Pilz, kritisiert. «Der Fall zeigt leider erneut, dass beim Thema Transparenz und Kommunikation - insbesondere bei Fällen sexuellen Missbrauchs - weiterhin dringender Verbesserungsbedarf besteht», sagte er der «Bild»-Zeitung (Mittwoch). Das Bistum hatte nach eigenen Angaben erst im Juni 2022 von den Vorwürfen gegen den Priester erfahren - obwohl er von 2010 an seinen Wohnsitz in Ostsachsen hatte.

In Gemeinden, in denen der Priester tätig war, «hätte beispielsweise vom Pfarrer auf das Umgangsverbot besonders geachtet werden können», erklärte ein Bistumssprecher der «Bild»-Zeitung. Das sei jedoch unterblieben mangels Unterrichtung.

Pilz war ein prominenter Priester, 2000 bis 2010 Präsident des Kindermissionswerks «Die Sternsinger» (Aachen) und Autor des Jugendkirchenliedes «Laudato si». Ende Juni machte das Erzbistum Köln öffentlich, dass er in den 1970er Jahren einen schutzbedürftigen Erwachsenen sexuell missbraucht haben soll. Das Opfer hatte sich 2012 ans Erzbistum Köln gewandt, das ein Verfahren einleitete und das Ergebnis der Glaubenskongregation in Rom übermittelte.

Wegen der teils bestätigten Vorwürfe hatte der damalige Kardinal Joachim Meisner dem Pfarrer im Ruhestand im Februar 2014 einen Verweis erteilt, eine Geldstrafe ausgesprochen und ihm verboten, sich Minderjährigen ohne die Anwesenheit von Erwachsenen zu nähern. Meisners Nachfolger Kardinal Rainer Maria Woelki war zu diesem Zeitpunkt noch in Berlin im Amt. Das Vorwissen um den Priester hinderte das Erzbistum 2019 aber nicht an einem überschwänglichen Nachruf.

Das Bistum Dresden-Meißen wurde nach seinen Angaben erst «vor wenigen Wochen» vom Erzbistum Köln über das Strafdekret von 2014 gegen Pilz informiert. Der aus dem Sudetenland stammende Priester war 2010 nach Leutersdorf (Ostsachsen) gezogen, in die Nähe seines in Tschechien liegenden Geburtsorts. «Er war hier Ruhestandspriester, hat keine Aufgaben wahrgenommen», sagte der Bistumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Aus dem eigenen Bereich gebe es bisher keine Vorwürfe gegen ihn.

Das Erzbistum Köln räumte Fehler ein. «Nachdem Kardinal Meisner den Pfarrer sanktioniert hat, hätte unmittelbar danach eine Information an das Bistum Dresden-Meißen stattfinden müssen. Auch im Jahre 2018 wäre eine entsprechende schriftliche Information angezeigt gewesen, ist aber bedauerlicherweise ebenfalls ausgeblieben», teilte es mit. Ob es «mündliche Hinweise» gegeben habe, sei nicht bekannt. «Das Erzbistum Köln steht in dieser Angelegenheit aktuell mit den zuständigen Personen des Bistums Dresden-Meißen in Verbindung.»

Das Kölner Erzbistum befindet sich in einer schweren Krise, seit Woelki 2020 entschieden hatte, ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen nicht zu veröffentlichen. Nach einer Auszeit kehrte er im März ins Erzbistum zurück.

© dpa

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