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Kabayel über fehlende Toleranz: «Ich fühle mich deutsch»

Der Bochumer Boxer Agit Kabayel stört sich an fehlendem Zuspruch für deutsche Athleten mit Migrationsgeschichte. Nach seinem Sieg in Riad steigen die Followerzahlen.
Agit Kabayel
Deutschland's Agit Kabayel (l) jubelt nach seinem Sieg gegen den Kroaten Agron Smakici. © Roberto Pfeil/dpa

Der deutsche Boxer Agit Kabayel hat mehr Zuspruch für Athleten mit Migrationsgeschichte gefordert. «Wenn Deutschland es irgendwann akzeptiert, dass ein Agit Kabayel auch deutsch sein kann, dann können wir große Meilensteine setzen», sagte der aktuell beste Schwergewichtler des Landes der Deutschen Presse-Agentur.

Am Samstag hatte der Profi des Magdeburger SES-Boxstalls den zuvor ungeschlagenen Russen Arslanbek Machmudow eindrucksvoll durch technischen Knockout in der vierten Runde besiegt. In der Weltrangliste der bedeutendsten Verbände wird Kabayel an die Top-Platzierungen heranrücken. Vor dem Duell gegen Machmudow war Kabayel 13. der weltweiten WBC-Liste.

Die Familie von Kabayel hat ihre Wurzeln im kurdisch-stämmigen Teil der Türkei. «Ich bin in Deutschland geboren, war hier im Kindergarten und in der Schule», sagte der Bochumer, der in Leverkusen geboren wurde. «Es gibt auch negative Kommentare, viele sind sehr verbissen in ihrer Meinung. Ich fühle mich deutsch. Ich werde auch nicht wegziehen, das ist meine Heimat. Wenn das endlich mal akzeptiert wird, dann denke ich, dass mehr Support kommt», meinte der 31-Jährige.

Sein Erfolg im saudi-arabischen Riad brachte Kabayel viele neue Anhänger ein. Nach dem Kampf gab er an, dass er über Nacht 30.000 zusätzliche Follower auf der Plattform Instagram bekommen habe. Mittlerweile folgen ihm mehr als 241.000 Fans. Es gehe Kabayel auch darum, mit authentischen Auftritten in den sozialen Medien die Jugend wieder ans Boxen heranzuführen. «Ich bekomme online sehr viele schöne Nachrichten. Manche Leute machen mein Training nach. Und viele sehen mich als Vorbild», sagte Kabayel.

Teils ist es noch üblich, dass Boxer in Deutschland deutsche Kampfnamen bekommen. Wohl prominentestes Beispiel: Felix Sturm heißt mit bürgerlichem Namen Adnan Catic. Für Kabayel kam das nie infrage. «Auch alteingesessene Boxfans müssen es einfach akzeptieren», sagte er. Sein größter Traum ist es, deutscher Weltmeister im Schwergewicht zu werden. Das hatte vor ihm zuletzt Max Schmeling vor mehr als 90 Jahren geschafft.

© dpa
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