Pandemiefolgen: Populationen gewachsen, mehr Tiere erlegt

Als Folge der Corona-Pandemie und entsprechender Behördenvorgaben sind die Gesellschaftsjagden auf Niederwildarten in der zurückliegenden Jagdperiode 2021/2022 weitgehend ausgefallen. So seien von Anfang April 2021 bis Ende März 2022 beispielsweise weniger Kaninchen oder Ringeltauben erlegt worden, teilte das NRW-Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz am Freitag mit.
Eine Jägerin lädt ihre Jagdwaffe mit bleifreier Jagdmunition. © Wolfgang Kumm/dpa/Symbolbild

Laut der Jagdstrecken-Statistik beeinflussten die anhaltende Trockenheit und andere Extremwetterbedingungen das Wildaufkommen in Nordrhein-Westfalen stark. So begünstigte das vierte Jahr hintereinander mit zu wenig Niederschlägen den Anstieg vieler Wildpopulationen. Zudem reduzierte der milde Winter die Sterblichkeit vor allem beim Schwarzwild. Stürme und extreme Sommertrockenheit förderten den Borkenkäferbefall und sorgten so für vermehrten Lichteinfall in den Wäldern, was wiederum Kräuter und Sträucher stärker wachsen ließ. So hätten Tiere zusätzliche Deckung und teils optimale Futterbedingungen - die Wildbestände nahmen zu.

«Die Corona-Pandemie und Extremwetterperioden haben deutliche Spuren bei der Jagdstrecke hinterlassen», sagte NRW-Ministerin Silke Gorißen (CDU). «Damit unser klimaangepasster Wald der Zukunft wachsen kann, brauchen wir auch angepasste Wildbestände. Daher danke ich allen Jägerinnen und Jägern, die sich Jahr für Jahr auch unter schwierigen Umständen mit großem Engagement für ein Gleichgewicht von Wald und Wild einsetzen und so einen Beitrag zur Wiederbewaldung leisten.»

Trotz der Corona-Einschränkungen wurden insgesamt wieder mehr Wildtiere geschossen. 2021/22 erreichten die Jagdzahlen (Jagdstrecken) beim Rehwild mit 117 496 Stück einen Höchststand. Etwa 2100 Rehe wurden mehr geschossen als im Jahr davor (2020/21: 115.362 Rehe). Beim Rotwild und Damwild lagen die Zahlen ebenfalls höher als im Vorjahreszeitraum. Beim Schwarzwild (49.566 Stück) stiegen die Zahlen sogar um 45 Prozent. Vom Höchstwert aus dem Jagdjahr 2017/18 (66.079) seien die Jäger aber noch weit entfernt.

Laut Ministerium leistet das Jagen auf die wachsenden Populationen der Wildschweine auch einen Beitrag zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Die Tierseuche habe sich in den vergangenen Jahren in Europa ausgebreitet. Deutschland sei seit September 2020 betroffen. In mehreren ostdeutschen Ländern seien inzwischen mehr als 4000 mit der Seuche infizierte Wildschweine gefunden worden.

Der Begriff «Jagdstrecke» bezeichnet die gesamte auf der Jagd erlegte Beute innerhalb eines bestimmten Zeitraums und Gebietes und ist in dieser Bedeutung ein Synonym für «Jagdzahlen» oder «Jagdstatistik».

© dpa
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