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Hengsbach-Denkmal abgebaut: Weitere Missbrauchsanzeigen

Die Skulptur von Kardinal Franz Hengsbach vor dem Essener Dom wird wegen Missbrauchsvorwürfen abgebaut. Weniger als eine Woche nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat sich das Bistum von seinem bekanntesten Geistlichen distanziert. In Wiesbaden tagt die Bischofskonferenz.
Skulptur von Kardinal Franz Hengsbach
Die Skulptur von Kardinal Franz Hengsbach vor dem Essener Dom wurde wegen Missbrauchsvorwürfen abgebaut. © Christoph Reichwein/dpa

Das Denkmal des unter Missbrauchsverdacht stehenden Kardinals Franz Hengsbach in Essen ist abgebaut worden. Monteure lösten am Montagmorgen die Halterung des Denkmals und ein Kran hievte die Statue auf einen Lastwagen, wie ein dpa-Reporter vor Ort beobachtete. Auch ein Schild mit den Lebensdaten des Kardinals wurde entfernt. Die Skulptur soll eingelagert werden.

Vor knapp einer Woche hatte das Bistum Essen mitgeteilt, dass der «gravierende» Verdacht bestehe, Hengsbach (1910-1991) könnte in seiner Zeit als Weihbischof in Paderborn in den 1950er Jahren eine 16-Jährige sexuell missbraucht haben. Außerdem beschuldigt eine Frau Hengsbach eines weiteren Übergriffs im Jahr 1967 in seiner Essener Zeit als Bischof.

Die mutmaßlichen Taten und die abermals dokumentierte Vertuschungsstrategie der Kirche zerstörten Reste an Vertrauen, erklärte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp. «Wieder entsteht der Eindruck, dass nicht die Betroffenen, sondern die Täter geschützt wurden.» Eine erste Überprüfung des ZdK-Archivs habe keine Hinweise auf Kontakte zu den gegen Hengsbach erhobenen Vorwürfe ergeben. Die Korrespondenz werde aber weiter gesichtet. Hengsbach war ab 1947 ZdK-Generalsekretär und von 1953 bis 1968 bischöflicher Generalassistent des Komitees.

Das Essener Bistum hatte die Gläubigen vergangene Woche dazu aufgerufen, mögliche weitere Missbrauchsfälle zu melden. Daraufhin seien bereits einige neue Meldungen eingegangen, sagte ein Bistumssprecher am Montagmorgen. Ähnlich hatte der derzeitige Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sich am Sonntagabend im WDR-Fernsehen geäußert. Die neuen Fälle würden nun überprüft, sagte der Bistumssprecher.

Betroffenenvertreter und die Reforminitiative Maria 2.0 hatten die Entfernung der überlebensgroßen Statue des Geistlichen gefordert. Missbrauchsopfer hatten eine Mahnwache vor der Hengsbach-Skulptur abgehalten. Die Statue der Bildhauerin Silke Rehberg war im Herbst 2011 enthüllt worden.

Franz Kardinal Hengsbach war 33 Jahre lang der erste Bischof des 1958 gegründeten Ruhrbistums, zugleich Gründer von Adveniat - dem bischöflichen Lateinamerika-Hilfswerk - lange Jahre deutscher Militärbischof und sozialpolitisch engagiert für das Ruhrgebiet in der Stahl- und Kohlekrise.

«Das Entsetzen, das erlebe ich in diesen Tagen auch, ist so groß, weil er eben eine so wichtige Identifikationsfigur für unser Bistum gewesen ist. Aber die Fakten sprechen jetzt eine andere Sprache und so musste ich auch entsprechend reagieren», sagte Overbeck in dem WDR-Interview vom Sonntag.

Overbeck hatte sich in einem Brief, der am Sonntag im Gottesdienst verlesen wurde, für seinen Umgang mit den Hengsbach-Vorwürfen entschuldigt. Er hatte demnach bereits 2011 von ersten Vorwürfen gegen Hengsbach in Paderborn erfahren, sich aber auf die Auskunft aus Rom verlassen, dass die Vorwürfe nicht plausibel seien und deshalb nichts weiter unternommen. Dies bezeichnete Overbeck im Rückblick als Fehler.

Den Abbau der zwei Meter hohen, schweren Skulptur aus Hartkeramik verfolgten am frühen Morgen nur wenige Passanten. Ein Passant berührte noch einmal die Hand der Kardinals. Eine Nonne stand schweigend etwas abseits und wandte sich dann ab.

In Wiesbaden beginnt an diesem Montag die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Die 65 Bischöfe der katholischen Kirche in Deutschland beraten bis einschließlich Donnerstag. Themen sind unter anderem der Missbrauchsskandal und der innerkirchliche Reformprozess.

© dpa
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