Impfstoff gegen Affenpocken in NRW eingetroffen

Eine Impfstofflieferung gegen Affenpocken hat NRW erreicht. Die Handhabung des tiefgekühlten Impfstoffes ist allerdings nicht leicht. Deshalb soll er an Apotheken der Universitätskliniken gehen. Das Land und das RKI nennen neue Zahlen zu den bisher bestätigten Fällen.
Das Wort «Impfung» ist in einem Tropfen an der Nadel einer Spritze zu lesen. © Friso Gentsch/dpa/Illustration

Das Land Nordrhein-Westfalen hat rund 7300 Impfdosen gegen Affenpocken erhalten. Der Pockenimpfstoff dritter Generation komme vom Bund und sei am Freitag geliefert worden, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums der dpa. Der Impfstoff müsse allerdings bei minus 20 Grad Celsius transportiert und gelagert sowie nach dem Auftauen innerhalb von zwölf Stunden verimpft werden.

Vor diesem Hintergrund werde an einem Verteilsystem an die Apotheken der Universitätskliniken gearbeitet. Um kurzfristig die Möglichkeit zu schaffen, in medizinisch begründeten dringenden Einzelfällen gegen Affenpocken impfen zu können, würden voraussichtlich am Samstag zunächst einige wenige Impfdosen an die Apotheken der Universitätskliniken in Köln und Düsseldorf geliefert, erklärte er.

Sollte es im Verlauf des Wochenendes oder Anfang nächster Woche aus medizinischen Gründen geboten sein, Einzelpersonen zu impfen, könne dies im Rahmen einer ärztlichen Einzelfallentscheidung an diesen Universitätskliniken erfolgen. Die weiteren Universitätskliniken des Landes seien darüber informiert, erläuterte der Ministeriumssprecher.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Impfung gegen Affenpocken für bestimmte Risikogruppen und Menschen, die engen Kontakt zu Infizierten hatten, wie sie in der vergangenen Woche mitteilte. Ein erhöhtes Infektionsrisiko sieht die Stiko bei Männern, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben. Auch Personal von Speziallaboratorien komme unter Umständen für eine vorsorgliche Impfung infrage, teilte die Stiko mit.

Affenpocken gelten verglichen mit den seit 1980 ausgerotteten Pocken als weniger schwere Erkrankung. Der Erreger wird laut Robert Koch-Institut (RKI) meist durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Experten gehen davon aus, dass der Ausbruch begrenzt werden kann. Die Gefährdung für die breite Bevölkerung wird laut RKI als gering eingeschätzt. Die Symptome, darunter zum Beispiel Fieber und Hautausschlag, verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Wochen von selbst, können bei einigen Menschen aber zu medizinischen Komplikationen und in sehr seltenen Fällen auch zum Tod führen.

Nach Auskunft des Landes-Gesundheitsministeriums sind bislang in Nordrhein-Westfalen 43 Affenpockenfälle bestätigt. Verdachtsfälle müssten nicht gemeldet werden, deshalb lägen dem Ministerium dazu keine Zahlen vor, erläuterte der Sprecher. Die ersten drei bestätigten NRW-Fälle waren vor dreieinhalb Wochen in Köln bekannt geworden. Dem RKI sind mit Stand Freitag 338 Affenpockenfälle aus elf Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein) übermittelt worden, wie das Institut zur Situation in Deutschland im Internet ausführt.

Die Europäische Union hat rund 110.000 Dosen Impfstoff gegen Affenpocken gekauft. Wie die EU-Kommission mitteilte, wurde der Vertrag mit dem Unternehmen Bavarian Nordic über 109.090 Dosen Impfstoff der dritten Generation am Dienstag geschlossen. Er soll den 27 EU-Staaten sowie Norwegen und Island zur Verfügung stehen.

© dpa
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