Lebensgefährtin mit Benzin übergossen: Angeklagter schweigt

Vor dem Bonner Schwurgericht muss sich seit Donnerstag ein 54-jähriger Mann wegen zwei besonders grausamer Angriffe auf seine Familie verantworten. Angeklagt ist er unter anderem wegen Mordversuchs und schwerer Brandstiftung. Am 27. Dezember 2021 soll der ehemalige Lastwagenfahrer in Morsbach im Oberbergischen Kreis seine Lebensgefährtin vor ihrer Haustür mit Benzin übergossen und versucht haben, sie anzuzünden. Der 44-Jährigen gelang es, sich zu befreien und zu Nachbarn zu flüchten. Bei der Tat soll der 54-Jährige der Frau, mit der er seit zwölf Jahren zusammen war und eine gemeinsame Tochter hat, gedroht haben: «Du schläfst mit anderen Männern. Ich bringe dich um.» Ein Jahr vor dem Verbrechen war der Angeklagte aus dem gemeinsam bewohnten Haus ausgezogen.
Blick auf die Justitia über dem Eingang eines Landgerichts. © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Bei diesem Angriff blieb es an diesem Tag nicht: Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte anschließend mit einem Stein das Wohnzimmerfenster des Einfamilienhauses eingeschlagen. Dann soll er weiteres Benzin ins Haus geschüttet haben. Die vier Pflegekinder seiner Lebensgefährtin forderte er auf, vom Wohnzimmer hoch in die erste Etage zu gehen. Die Kinder im Alter zwischen 4 und 17 Jahren folgten dem Aufruf. Dann zündete der Angeklagte das Benzin an. Wesentliche Gebäudeteile gingen in Flammen auf, auch die Holzdielen und Fensterrahmen brannten. Die Feuerwehr löschte den Brand innerhalb einer halben Stunde, die vier Kinder blieben unverletzt.

Am ersten Prozesstag wollte der Angeklagte laut Auskunft seines Verteidigers zu den Vorwürfen nichts sagen. Bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte der 54-Jährige erklärt, dass er häufiger Wahnvorstellungen habe und Stimmen höre. Das Gericht hat einen psychiatrischen Gutachter beauftragt, die Schuldfähigkeit des Angeklagten zu überprüfen. Zwar habe der Angeklagte die vier Kinder nicht gezielt töten wollen, so die Auffassung der Staatsanwaltschaft, aber es sei ihm völlig gleichgültig gewesen. Durch die Brandstiftung habe er ihren Tod billigend in Kauf genommen. Für den Prozess sind weitere fünf Verhandlungstage angesetzt.

© dpa
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