Uniper schreibt täglich 60 Millionen Euro Verlust

Die Gaskrise hatte den Energiekonzern Uniper an den Rand einer Insolvenz gebracht. Seit Ende Juli bewahrt ein milliardenschweres Rettungspaket den Konzern vor dem Zusammenbruch.
Das Logo von Uniper ist am Eingang vom Erdgasspeicher Bierwang zu sehen. © Matthias Balk/dpa/Archivbild

Deutschlands größter Gasimporteur Uniper hat weiter schwer mit den Folgen der russischen Gas-Lieferkürzungen zu kämpfen. Wegen der nötigen Gas-Ersatzbeschaffung schreibe Uniper seit Mitte Juni im Durchschnitt täglich über 60 Millionen Euro Verlust, sagte Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach am Mittwoch in Düsseldorf bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Zeitweise lägen die täglichen Verluste sogar bei über 100 Millionen Euro. Vom 15. Juni bis DIESEN Mittwoch hätten sich die Verluste bereits auf insgesamt 3,8 Milliarden Euro summiert.

Seit Mitte Juni hatte der russische Staatskonzern Gazprom die Liefermengen nach Deutschland schrittweise deutlich reduziert. Mittlerweile erhält Uniper nur noch rund ein Fünftel der vertraglich vereinbarten Mengen. Maubach betonte: «Wir zahlen nur die Mengen, die wir geliefert bekommen. Auch nur solche werden uns in Rechnung gestellt.»

Als größter Gasimporteur spielt der Energiekonzern mit Sitz in Düsseldorf eine zentrale Rolle für die deutsche Erdgasversorgung. Uniper beliefert mehr als 100 Stadtwerke und Industriefirmen direkt mit Erdgas. Weil jetzt große Mengen aus Russland fehlen, muss das Unternehmen als Ersatz extrem teures Gas auf dem Markt einkaufen, um weiterhin Gas liefern zu können. Maubach kommentierte den Sachverhalt so: «Eins sollten wir uns in den Zeiten des Krieges in der Ukraine (...) vor Augen halten: Wir bei Uniper sind de facto zum Spielball in diesem Konflikt geworden.»

Um Uniper zu stützen, wurde im Juli bereits ein milliardenschweres Rettungspaket geschnürt. Es sieht unter anderem vor, dass der Bund mit 30 Prozent bei dem Unternehmen einsteigt. Ein Darlehen über die staatliche Förderbank KfW wurde auf neun Milliarden Euro erhöht. Davon habe man vor allem für Ersatzbeschaffungen bislang rund fünf Milliarden Euro in Anspruch nehmen müssen, sagte Maubach. Das Paket gebe «Sicherheit für die kommenden Monate», betonte er. Die Genehmigung des Stabilisierungspaketes sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst erteilen. Uniper gehört mehrheitlich zum finnischen Fortum-Konzern.

Die ab Oktober geplante Gasumlage kommt vor allem Uniper zugute. Mit der von allen Gaskunden bezahlten Umlage können Gasimporteure unter bestimmten Bedingungen 90 Prozent ihrer Ersatzbeschaffungskosten erstattet bekommen. Bis Anfang April 2024 haben aktuell zwölf Gasimporteure 34 Milliarden Euro an erwarteten Kosten geltend gemacht. Davon entfielen über 50 Prozent auf Uniper, sagte Maubach am Mittwoch. Die genaue Summe nannte er nicht.

Bis Ende September wird Uniper jedoch noch den vollen wirtschaftlichen Verlust tragen müssen, der durch die Ersatzbeschaffungsmengen aufläuft. Entsprechend hoch verschuldet ist Uniper nun. Die wirtschaftliche Nettoverschuldung stieg auf mehr als zwei Milliarden Euro nach 324 Millionen ein Jahr zuvor.

Die schwierige Lage des Konzerns infolge der Gaskrise schlug sich im ersten Halbjahr auch in den sonstigen Zahlen nieder. Den Verlust bezifferte das Unternehmen auf mehr als 12 Milliarden Euro. Davon stünden mit 6,5 Milliarden Euro über die Hälfte im Zusammenhang mit erwarteten künftigen Gaslieferunterbrechungen, teilte Uniper mit. Außerdem sind in der Summe 2,7 Milliarden Euro an Abschreibungen enthalten - unter anderem für die Pipeline Nord Stream 2.

Auch operativ rutschte Uniper in den ersten sechs Monaten ins Minus. Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach bezeichnete die Entwicklung des Geschäfts dennoch als «solide». Er führte die Volumina der Stromproduktion an, die im ersten Halbjahr auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums lagen.

Für das laufende Jahr rechnet der MDax-Konzern mit einem negativen Ergebnis. Eine konkrete Prognose für 2022 nannte Maubach nicht. «Für 2023 erwarten wir eine Ergebnisverbesserung und streben an, ab 2024 die Verlustzone zu verlassen», sagte Finanzchefin Tiina Tuomela laut einer Mitteilung. Der Kurs der Aktie lag am Nachmittag mit gut 7 Euro fast zehn Prozent unter dem Vortageswert. Von ihrem rund drei Wochen alten Rekordtief bei 5,64 Euro sind die Aktien trotz des Kurseinbruchs aber noch ein Stück entfernt.

© dpa
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