Nach Terroralarm am Montag Abiturprüfung in der Schule

Nach dem vereitelten mutmaßlichen Bombenanschlag auf ein Essener Gymnasium brauchen die Schüler des Abschlussjahrgangs an diesem Montag gute Nerven: Ihre mündlichen Abiturprüfungen stehen an. Die Ermittlungen gegen den 16 Jahre alten Verdächtigen laufen weiter.
Blick auf den Eingang des Don-Bosco-Gymnasiums. © Roberto Pfeil/dpa/Archivbild

Nach dem vereitelten mutmaßlichen Terroranschlag an einem Essener Gymnasium laufen an der Schule am Montag mündliche Abiturprüfungen. Er hoffe, dass die Prüflinge sich nicht irritieren ließen, sagte der Direktor der Ordenseinrichtung, zu der die Schule in Essen-Borbeck gehört, Pater Otto Nosbisch.

Die Ermittlungen liefen über das Wochenende unter Hochdruck weiter, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, Holger Heming. Inhaltlich wollte er sich aus Ermittlungsgründen und wegen der Persönlichkeitsrechte des 16 Jahre alten Verdächtigen nicht äußern. Jedenfalls spielten auch die persönliche Situation und der psychische Zustand des Beschuldigten eine Rolle, sagte er.

Der reguläre Unterricht für die insgesamt rund 800 Schülerinnen und Schüler des Don-Bosco-Gymnasiums beginnt erst wieder am Dienstag mit einer Gelegenheit zum persönlichen Austausch über die Geschehnisse in der ersten Stunde. Danach würden sich alle Schüler draußen vor der Schule versammeln, um ein gemeinsames Zeichen des friedvollen Miteinanders zu setzen, hieß es auf der Schul-Homepage.

Nach einem Zeugenhinweis hatte die Polizei am Donnerstagmorgen (12. Mai) die Wohnung der Familie des 16-Jährigen gestürmt und diesen festgenommen. Dabei sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden.

Die Polizei stieß unter anderem auf rechtsextreme Schriften und Materialien zum Bombenbau, wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) mitgeteilt hatte. Sprengstoff und 16 Rohrkörper, einige präpariert mit Uhren und Nägeln, wurden sichergestellt, daneben noch ein selbst gebautes Gewehr und Armbrüste mit Pfeilen.

Gegen den Gymnasiasten wurde Haftbefehl unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat erlassen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die Generalstaatsanwaltschaft geht einer Mitteilung zufolge von einem rechtsextremistischen Motiv aus.

«Das war eine konkrete, akute Bedrohung für unsere Schule», sagte Pater Nosbisch. Vereitelt worden sei sie durch das mutige Verhalten der Schüler, die ihren Verdacht eines möglichen Anschlags an eine Lehrerin weitergegeben hatten.

Nach einem Bericht der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (Samstag) hatte der Tatverdächtige seinen «Abschied für immer» angekündigt und ein «Geschenk für alle». Da der Jugendliche schon früher öfter von Waffen gesprochen habe, hätten die Mitschüler die Andeutungen ernst genommen und seien zu einer Lehrerin gegangen, die die Schulleitung informiert habe, sagte Nosbisch.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Jugendlichen wurden auch Hinweise darauf gefunden, dass der 16-Jährige psychische Probleme hatte, wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) mitgeteilt hatte. Es seien Aufzeichnungen gefunden worden, die als «dringender Hilferuf eines verzweifelten jungen Mannes gelesen werden» könnten.

© dpa
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