Woelki geht gegen prominenten Kritiker und «Bild» vor

Mit Missbrauchsvorwürfen gegen den früheren Chef der Sternsinger will Kardinal Woelki nicht befasst gewesen sein - und zieht in der Sache jetzt vor Gericht.
Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, geht über den Anleger zu einem Ausflugsschiff. © Oliver Berg/dpa/Archivbild

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki geht juristisch gegen einen seiner härtesten Kritiker, den Kirchenrechtler Thomas Schüller, vor. Auch gegen die «Bild»-Zeitung habe er eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung im Eilverfahren beantragt, sagte am Mittwoch eine Sprecherin des Landgerichts Köln.

Hintergrund der Verfahren sind Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Präsidenten der katholischen Sternsinger, Winfried Pilz (1940-2019). Woelkis Vorgänger Kardinal Joachim Meisner hatte Pilz 2014 Kontakt zu Minderjährigen verboten. Nach dem Tod von Pilz 2019 veröffentlichte das Erzbistum Köln gleichwohl einen überschwänglichen Nachruf auf den Geistlichen, der das berühmte Kirchenlied «Laudato si» verfasst hatte.

In einer eidesstattlichen Versicherung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, erklärt Woelki, er sei bis Juni 2022 nie mit dem Fall Pilz befasst gewesen. Deshalb sei der Vorwurf ungerechtfertigt, er hätte über die Vorwürfe gegen Pilz das Bistum Dresden-Meißen informieren müssen, wo dieser seinen Lebensabend verbracht hatte. Kirchenrechtler Schüller hatte der «Bild»-Zeitung gesagt, es sei als Dienstpflichtverletzung zu werten, dass Woelki die Dresdner nicht eher unterrichtet habe.

Ein «Bild»-Sprecher teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: «Sollte Kardinal Woelki eine eidesstattliche Versicherung mit dem Inhalt abgegeben haben, dass er mit dem Fall Winfried Pilz bis Ende Juni 2022 gar nicht befasst gewesen sei, halten wir das für nicht glaubhaft. Wir wissen aber, dass Kardinal Woelki bereits in einem anderen Verfahren am Landgericht Köln eine unzureichende und inhaltlich zweifelhafte eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Sollte sich das jetzt in einem weiteren Verfahren wiederholen, werden wir strafrechtliche Schritte erwägen.»

Woelkis Sprecher Jürgen Kleikamp wies dies zurück. «Kardinal Rainer Maria Woelki steht zu 100 Prozent hinter seinen eidesstattlichen Versicherungen», sagte Kleikamp. «Zu behaupten, dass Kardinal Woelki in einem anderen Verfahren eine unzureichende und inhaltlich zweifelhafte eidesstattliche Versicherung abgegeben hat, ist höchst verwegen. Denn eine solche Entscheidung trifft in Deutschland ein Gericht und nicht der beklagte Autor des Springer-Verlags.»

Kritiker Woelkis im Kölner Klerus bezeichneten es als wenig glaubhaft, dass dem Kardinal über all die Jahre hinweg die Vorwürfe gegen den prominenten Pilz nicht bekannt gewesen sein sollen. «Und wenn ein Bischof etwas hört, fragt er dann nicht nach?», kritisierte ein ranghoher Geistlicher. «Da gibt es einen Täter, der bekanntermaßen in einem anderen Bistum lebt, und man fragt nicht nach, ob da alles geregelt ist? So kann Prävention gegen sexuellen Missbrauch nicht gelingen, wenn ein Bischof immer auf andere verweist.»

In einem weiteren Klageverfahren Woelkis gegen «Bild» hat das Landgericht Köln für den 16. November eine mündliche Verhandlung anberaumt. Als Zeugen sollen die ehemalige Sekretärin von Kardinal Meisner und der frühere Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums gehört werden. In der Verhandlung geht es um die Berichterstattung über einen Priester, der von Woelki befördert worden war, obwohl er Jahre zuvor Sex mit einem 16 Jahre alten Prostituierten gehabt hatte.

© dpa
Weitere News
Top News
Reise
Ab Mitte Dezember: Bahn erhöht Preise im Fernverkehr um fast fünf Prozent
Fußball news
Bundesliga: Trainer Urs Fischer verlängert bei Union Berlin
Auto news
Saftige Strafgebühren: BGH: Hohe Maut-Nachforderungen aus Ungarn zulässig
Musik news
Schwedischer Musiker: Firma von Abba-Sänger kauft Teile des Avicii-Songkataloges
Handy ratgeber & tests
Featured: Our Solar System: Googles AR-Ausstellung bringt Saturn, Venus & Co. via App in Dein Wohnzimmer
Tv & kino
Streaming: Marilyn Monroe, das Opfer: Biopic «Blond» bei Netflix
Tv & kino
Featured: Tausend Zeilen | Kritik: Besser als jede erfundene Geschichte
Internet news & surftipps
Computer: Tim Cook: Apple baut Entwicklungs-Standort München aus
Empfehlungen der Redaktion
Regional nordrhein westfalen
Religion: Kardinal Woelki einigt sich mit Kirchenrechtler Schüller
Inland
Erzbistum Köln: Kardinal Woelki bestreitet Kenntnisse über Missbrauchstäter
Inland
Kirche: Missbrauchsvorwurf gegen Pilz: Woelki bestreitet Fehler
Regional sachsen
Kirche: Bischof kritisiert Kölner Bistumsleitung im Fall Pilz
Regional nordrhein westfalen
Missbrauchsvorwürfe: Fall des Sternsinger-Chefs: Woelki bestreitet Versäumnisse
Inland
Katholische Kirche: Vorwurf: Promischutz für Ex-Sternsinger-Präsident?
Regional nordrhein westfalen
Aachen: Missbrauchsvorwurf: Sternsinger arbeiten Zeit unter Pilz auf
Regional nordrhein westfalen
Kirche: 2021 fast 98.000 Austritte aus katholischer Kirche in NRW