Bericht: 16-Jähriger galt als nicht suizidgefährdet

Im Fall eines durch Polizeischüsse getöteten Jugendlichen in Dortmund gibt es neue Angaben zu seiner psychischen Verfassung kurz vor dem Vorfall. Laut einem vertraulichen Bericht an den Landtag hatte sich der 16-Jährige am Tag vor seinem Tod in einer Klinik von Selbstmordgedanken, die er vorher geäußert hatte, «klar» distanziert. Es habe keine Anzeichen für eine «Eigen- oder Fremdgefährdung» gegeben. Der Flüchtling habe aber gesagt, er wolle in seine Heimat zurück.
Ein Schild mit der Aufschrift "Polizei" hängt an einem Polizeipräsidium. © Roland Weihrauch/dpa/Symbolbild

Der unbegleitete Flüchtling aus dem Senegal hatte sich in der Nacht zum 7. August gegen 0.30 Uhr bei einer Polizeiwache gemeldet und gesagt, er wolle sich eventuell etwas antun. Die Beamten ließen den 16-Jährigen mit dem Rettungswagen in eine Klinik für Jugendpsychiatrie bringen. Am Morgen des 7. August kam ein Französisch-Dolmetscher dazu, durch den letztlich eine «vertiefte» Untersuchungs möglich gewesen sei, so der vertrauliche Bericht.

Da der Jugendliche glaubwürdig gesagt habe, dass er doch keinen Suizid begehen wolle, habe es keine rechtlichen Voraussetzungen für eine zwangsweise Unterbringung gegeben. Der Dolmetscher übermittelte ihm Unterstützungsangebote. Der Flüchtling habe noch gesagt, er wolle wieder in seine Heimat zurück. Auch dazu seien ihm Tipps gegeben worden. Dann wurde er entlassen.

Am Nachmittag des kommenden Tages - dem 8. August - wurde die Polizei zum Innenhof einer Jugendhilfeeinrichtung im Dortmunder Norden gerufen worden, wo sich der 16-Jährige ein Messer mit einer 15 bis 20 Zentimeter langen Klinge an den Bauch hielt. Der Einsatz lief zunächst als Einschreiten bei einem Suizidversuch.

Nachdem der Einsatz von Pfefferspray und Tasern nicht wirkte und der Jugendliche mit dem Messer in der Hand auf die Polzisten zugekommen sein soll, schoss ein Beamter (29) mit seiner Maschinenpistole. Vier Kugeln trafen den 16-Jährigen. Er starb im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

© dpa
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