Schulstart in NRW mit weniger strengen Corona-Regeln

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen sind die Sommerferien vorbei. Ein weiteres Schuljahr unter Pandemiebedingungen hat begonnen. Noch sind die Corona-Regeln an den Schulen locker. Wird das auch so bleiben?
Ein Mund-Nasen-Schutz liegt im Unterricht auf Unterlagen. © Matthias Balk/dpa/Symbolbild

Bye bye Sommerferien: Mit weniger strengen Corona-Regeln hat für rund 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen am Mittwoch wieder der Unterricht begonnen. Das neue Schuljahr 2022/23 ist das vierte unter Pandemiebedingungen. Anders als noch im vergangenen Schuljahr gilt an den rund 5500 Schulen aber keine Maskenpflicht mehr. Und auch auf Corona wird nicht mehr regelmäßig, sondern nur noch freiwillig und anlassbezogen getestet.

Bei 171 000 Kindern, die neu ins Schulleben starten, kann die Einschulung auch auf den Donnerstag fallen. Viele am Schulleben Beteiligte wiesen darauf hin, dass neben dem Infektionsschutz noch viele andere große Herausforderungen wie etwa der Lehrkräftemangel zu bewältigen seien.

Derzeit gilt für die Schulen nur eine Empfehlung, in den Innenräumen eine medizinische Maske oder eine FFP2-Maske zu tragen. Außerdem wird nur noch anlassbezogen auf das Coronavirus getestet. Dafür lässt das Land Antigenselbsttests über die Schulen austeilen. Die Tests sollen vor dem Weg in die Schule bei einschlägigen Symptomen wie etwa Fieber, Husten, Halsweh oder Schnupfen zu Hause durchgeführt werden. Das Ministerium geht von einem monatlichen Bedarf von fünf Tests pro Person aus.

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) empfahl erneut, in den Schulen freiwillig Masken zu tragen. Würden Schüler deswegen gehänselt, sollten die Lehrerinnen und Lehrer ihnen den Rücken stärken und das Thema Maske im Unterricht ansprechen.

Für den Herbst und Winter schloss Feller die Rückkehr zur Maskenpflicht an einzelnen Schulen oder sogar flächendeckend nicht aus. Angesichts der derzeitigen Corona-Infektionszahlen sei eine Pflicht zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes zwar nicht erforderlich, sagte Feller am Mittwoch im Radiosender WDR 5. Es gäbe auch gar keine gesetzliche Grundlage dafür. Die Landesregierung beobachte aber die weitere Entwicklung der Corona-Lage und werde bundesgesetzliche Regelungen abwarten.

Zu Beginn der Herbstferien solle das Handlungskonzept für NRW angepasst werden. «Da kann es sein, dass wir in bestimmten Fällen eine Maskenpflicht vorsehen», sagte Feller. Das werde dann mit dem Gesundheitsministerium besprochen. Klar sei, dass es noch vor den Herbstferien in NRW «eine klare und verlässliche Regelung» geben solle, damit Schulen, Eltern und Schüler «Bescheid wissen, wie es in den Winter hineingeht. Schulschließungen wie bei den ersten Corona-Wellen soll es in NRW dagegen nicht mehr geben, hatte Feller bereits früher betont.

Auch Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger schloss mit Blick auf die Corona-Lage in den kommenden Monaten flächendeckende Schulschließungen abermals aus. «Wir müssen alles so vorbereiten, dass es nicht so weit kommt», sagte die FDP-Politikerin am Mittwoch im ARD-«Morgenmagazin». Unterricht sollte auch mittels digitaler Medien möglich sein, falls Lehrkräfte ausfielen, aber «immer nur begrenzt» und auch auf «monatelange Schulschließungen» solle verzichtet werden, betonte Stark-Watzinger.

Die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW NRW, Ayla Çelik, zeigte sich in der ARD pessimistischer: «Die Regelungen zum Schutz sind zu vage», sagte sie. «Diese werden nicht reichen, um den drohenden Unterrichtsausfall zu vermeiden. Es wird auf Einsicht und Eigenverantwortung gesetzt. Ein echtes Stufenkonzept mit geeigneten Instrumenten und Maßnahmen fehlt leider.»

Mehrere Verbände sowie die Lehrergewerkschaften VBE und GEW forderten mehr Personal. «Die wichtigste Aufgabe ist und bleibt die Bekämpfung des Personalmangels in den Schulen», betonte VBE-Landeschef Stefan Behlau. «Denn nur mit ausreichend Personal können die Schulen stehen, sonst fallen sie um.»

Der Blick müsse auch auf andere zentrale Aufgaben gelenkt werden, mahnte die Vorsitzende der Schulleitungsvereinigung, Antonietta Zeoli. Dazu gehörten Schulsanierungen, mehr multiprofessionelle Teams, die Besetzung offener Schulleitungsstellen und mehr Anstrengungen für Bildungsgerechtigkeit.

Auch die Sorge, dass es in den Schulen angesichts der Gasknappheit kalt bleiben könnte, treibt Eltern und Schüler um. Feller sagte, sie gehe davon aus, dass Schulen zum geschützten Kundenbereich der Versorger gehörten. «Mir ist wichtig, dass die Schulen, auch wenn das Gas knapp wird, warm bleiben», sagte sie. Sonst könnte sie sich einen Unterricht in den Schulen nicht vorstellen.

© dpa
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