Köln feiert nach Randale friedliches Europacup-Fest

Nach dem Schlusspfiff waren beim 1. FC Köln viele erleichtert. Über den 4:2-Sieg gegen den FC Slovácko nach verspielter 2:0-Führung. Aber auch weil nach den Ausschreitungen von Nizza diesmal alles friedlich geblieben war.
Kölns Dejan Ljubicic (vorn) und Steffen Tigges bejubeln das Tor zum 4:2. © Federico Gambarini/dpa

Steffen Baumgart brachte den tschechischen Dolmetscher mit seiner kernigen Euphorie in Verlegenheit. «Affengeil» sei die Stimmung beim 4:2 des 1. FC Köln in der Conference League gegen den FC Slovácko gewesen, sagte der Trainer. Für dieses Wort gebe es im Tschechischen keine Entsprechung erklärte der Übersetzer und musste herzhaft lachen.

Es war aber längst nicht nur seiner erster Sieg im Europacup, der Baumgart so freudig werden ließ. Es waren vielmehr die Umstände. Dass der Trainer anders als beim 1:1 in Nizza nicht gesperrt auf der Tribüne sitzen musste, sondern am Spielfeldrand umhertoben durfte; und dass die 47 700 Zuschauer im Kölner Stadion nach den Ausschreitungen in der Vorwoche einfach nur ein friedliches Europacup-Fest ohne jegliche Misstöne feierten.

«Was Geileres gibt es nicht», sagte Baumgart. «Die Jungs reißen sich auf dem Platz den Hintern auf, und die da oben auch. Mehr geht einfach nicht.» Das sei auch die Devise für die nächsten Europacup-Spiele: «Wir sollten Festtage draus machen und sie genießen.»

Die Fans sangen nach dem Sprung an die Tabellenspitze der Gruppe D unentwegt «Spitzenreiter» und den Dauerbrenner «Europapokal» auf die Melodie von Udo Jürgens' Evergreen «Griechischer Wein». Und Matchwinner Dejan Ljubicic schwärmte: «Es ist immer eine Motivation, wenn es so schön friedlich und laut ist.»

Er freue sich, «wenn ein ganzes Stadion in eine Richtung marschiert», sagte Baumgart. «Die Zuschauer haben die Jungs auch in schwierigen Situationen nach vorne gepeitscht.» Und die gab es zweifellos, als die Kölner nach einer 2:0-Pausenführung komplett den Kopf verloren. Einen «kleinen Aussetzer» nannte es der wieder einmal starke Torhüter Marvin Schwäbe, der erstmals Kapitän sein durfte. Plötzlich stand es 2:2 und der eigentlich zweitklassige tschechische Pokalsieger drang auf den Führungstreffer.

Doch mit der Hereinnahme der beiden Leader Jonas Hector und Ellyes Skhiri beruhigte Baumgart das Spiel. Dass er in den beiden und Florian Kainz die drei besten Spieler der bisherigen Saison alle draußen gelassen hatte, hinterfragte manch einer vor dem Anpfiff. «Aus ihrer Sicht kann ich verstehen, dass sie das als Risiko sehen», sagte Baumgart. «Ich habe es als Chance gesehen. Meine Aufgabe ist es, aus nicht fertigen Spielern fertige Spieler zu machen. Dafür brauchen sie auch Druckerfahrungen wie diese.»

Unter anderem so hat der Österreicher Ljubicic, der am Mittwoch das 3:2 und das 4:2 erzielte, eine ausgezeichnete Entwicklung genommen. Oder auch eine «exquisite» Entwicklung, wie es Baumgart nannte. Der Trainer wunderte sich anschließend selbst. «Das ist eigentlich gar nicht meine Ausdrucksweise.» Immerhin ließ sie sich auf Tschechisch übersetzen. Mit Výborný.

© dpa
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