Rose vereint dank «mega» Videoeinheit Werner und Nkunku

Ein Gradmesser für das Champions-League-Spiel gegen Glasgow war Bochum nicht. Taktische Fortschritte waren erkennbar. Werner und Nkunku harmonieren immer besser. Doch wie lange bleibt der Franzose?
Leipzigs Mohamed Simakan (l-r), Dominik Szoboszlai, Timo Werner und Christopher Nkunku jubeln. © Jan Woitas/dpa/Archivbild

Mit einer intensiven Videolehrstunde vermittelte Marco Rose seinem Team die Neuausrichtung seiner Fußball-Philosophie. Eine andere Chance hatte er auch nicht. In der Länderspielpause war nur gut ein halbes Dutzend Profis auf dem Trainingsplatz verfügbar, taktische Einheiten waren kaum möglich. Und mit Homeoffice hat er schlechte Erfahrungen gemacht. «Bei Hausaufgaben bin ich ein bisschen skeptisch, das weiß ich von meiner Tochter», sagte er nach dem überzeugenden 4:0 (2:0) gegen den VfL Bochum. «Ich hatte daher etwas vorbereitet, da fiel die Sitzung etwas länger aus, sie war mega intensiv. Aber schön, wenn die Jungs zuhören und das auch umsetzen», betonte Rose.

So harmonierte das erstmals von ihm so gebrachte Sturmtrio mit Christopher Nkunku, Timo Werner und André Silva bestens. Mit ständigem Positionswechsel wirbelten sie die völlig überforderte VfL-Abwehr durcheinander. Kritiker hatten ein funktionierendes Zusammenspiel der Angreifer Nkunku und Werner bezweifelt. Rose will beide Fähigkeiten einen. «Ich begrüße sehr, dass Timo wieder da ist und Christo noch da ist, ich glaube nicht, dass Timo Christo was wegnimmt oder Christo Timo - beide können abschließen und identifizieren sich über Tore», sagte Rose.

Doch wie lange bleibt der Franzose bei RB. Laut einem Bericht von «The Athletic» steht er vor einem Wechsel zum FC Chelsea. Deutschlands Fußballer des Jahres soll nach Informationen des Online-Portals einen Vorvertrag bei den Westlondonern unterschrieben haben. Im Gegenzug soll sich der Premier-League-Club demnach verpflichtet haben, dem Bundesligisten eine Ablösesumme zu zahlen, die über der Ausstiegsklausel des 24-jährigen Franzosen in Höhe von 60 Millionen Euro liegt. RB-Boss Oliver Mintzlaff, der seit dem Wechsel von Timo Werner zu Chelsea und wieder zurück beste Kontakte zur Stamford Bridge hat und selbst als Vorstandschef bei Chelsea im Gespräch war, hatte erst im Juni den Kontrakt mit dem Angreifer in Leipzig vorzeitig bis 2026 verlängert. 

Da die Klausel laut «The Athletic» erst am Ende dieser Saison in Kraft tritt, gebe der FC Chelsea nun einen höheren Betrag aus, «um sich Nkunku im Voraus zu sichern und einen potenziell intensiven Kampf um seine Dienste zu vermeiden», hieß es in dem Bericht. Einen Medizincheck soll es bereits im August gegeben haben. Der sächsische Fußball-Bundesligist wollte die Spekulationen nicht kommentieren.  

Noch spielen beide Stürmer zusammen in Leipzig. Werner (15. Minute) schoss die Leipziger am Samstag vor 44 403 Zuschauern in Führung und genoss das Gefühl sichtbar. Fast provozierend oder eher fragend nahm er seinen Finger ans Ohr in Richtung Stadionrund, ganz nach dem Motto: Zweifelt jemand an meine Fähigkeiten? Über seinen Doppelpack reden wollte der Nationalstürmer nicht. Den Vorzug vom Elfmeterpunkt bekam Nkunku (23.), der sicher verwandelte, obwohl Strafstoßspezialist Manuel Riemann die Ecke erahnte. Nach dem Wechsel war Werner (53.) nach einem Abpraller von Silva erneut zur Stelle und erzielte seinen 101. Treffer für RB. Nkunku traf beim zweiten Elfmeter zunächst nur den Pfosten (63.), kurz vor Schluss gelang dem Franzosen aber doch noch der Doppelpack (85.). 

Nun müsse RB am Mittwoch in der Champions League nach zwei Niederlagen «eine ähnliche Leistung aufs Feld bringen», fordert der RB-Coach. Aber war das Bundesliga-Schlusslicht überhaupt ein Gradmesser? Mitnichten. Die Bochumer agierten ängstlich, harmlos und hatten am Ende nur eine Chance - in der 69. Minute. Da kommen die Schotten mit einer anderen Einstellung daher. «Gegen Celtic Glasgow wird von uns wieder viel Intensität verlangt», sagte Marcel Halstenberg.

Laufbereitschaft, Tempo und Mentalität sind das eine, zielführend sind am Ende die Lösungen im Strafraum. Daher gab Rose seinem Team ganz klare Ansätze mit. «Wir haben mehr Vorgaben für die Abläufe im letzten Drittel. Der Trainer gibt viele Sachen vor, wie seine Handschrift ist», betonte sein einstiger Musterschüler aus Salzburg, Xaver Schlager. Die Zielrichtung ist klar: «Er will das Team näher zusammenbringen, dass jeder für den anderen da ist, da coacht er uns täglich.»   

Offen bleibt noch, wie die Abwehr gegen Glasgow agiert. Immerhin war es gegen Bochum erst das dritte Zu-Null-Spiel in der Liga. Wirklich vor Aufgaben gestellt wurde die RB-Defensive dabei nicht. Halstenberg bekam vor David Raum den Vorzug und meinte nach gelungenem Auftritt: «Wenn man mich braucht, bin ich da. Wir gewinnen nur als Team.» Keine Einsatzzeit bekam diesmal Neuzugang Abdou Diallo. «Wir hatten ein Gespräch gehabt, er gehört einfach auf den Platz, doch es ist am Ende auch eine Mischung aus Schonen und auf Verletzungen achten», meinte Rose, der nach dem Ausfall von Lukas Klostermann mit Blick auf die Mammutaufgaben in drei Wettbewerben die Kräfte sinnvoll einteilen muss. 

© dpa
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