Kohlgraf: Setzen zunehmend auf Ehrenamt in Notfallseelsorge

Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat gezeigt, wie wichtig die Arbeit von Notfallseelsorgern ist. Gerade Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, sollen auf diese herausfordernde Aufgabe künftig noch besser vorbereitet werden.
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. © Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild

Die katholische Kirche setzt bei der Notfallseelsorge zunehmend auf Menschen, sie sich ehrenamtlich engagieren und will deren Ausbildung und Begleitung stärken. «Wichtig ist eine gute Qualifikation des Ehrenamtes», sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Dienstag in Fulda anlässlich der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Natürlich werde das Geld kosten, doch sei dies ein Bereich, in dem Geld gut investiert sei.

Die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen habe gezeigt, dass die Kirche auch in außergewöhnlichen Situationen viel leisten könne, zugleich aber «auch Schwachstellen des kirchlichen Engagements im Katastrophenfall» offengelegt, sagte Kohlgraf. So seien manche Seelsorgende nicht ausreichend auf einen solchen Katastrophenfall vorbereitet gewesen.

Zum anderen habe eine kirchliche Koordinationsstelle mit einer Übersicht über die eingesetzten Notfallseelsorger und Seelsorgerinnen gefehlt, die aus verschiedenen Teilen Deutschlands kamen. Für die Notfallseelsorge und auch andere diakonische und seelsorgliche Dienste gelte, sich ständig weiterzuentwickeln, um für Großschadensereignisse gewappnet zu sein.

Bei dem Pressegespräch berichteten Silvia Plum, Fluthilfekoordinatorin im Ortscaritasverband Rhein-Mosel-Ahr, sowie Rita Nagel, Notfallseelsorgerin in der Region Aachen, über ihre Arbeit der vergangenen rund 14 Monate. Der Einsatz habe «die klassische Arbeit der Notfallseelsorge als Erste Hilfe für die Seele gesprengt», sagte Nagel. Allein in der Region Aachen hätten die Mitarbeitenden die Menschen 2450 Stunden begleitet. «Wir haben mit den Menschen diese menschlich katastrophale Situation geteilt, damit sie spüren, auch ihre Seele ist nicht allein.»

Plum erklärte für das Ahrtal, die Betroffenen hätten nun Angst, vergessen zu werden. Viele von ihnen wüssten noch immer nicht, ob sie wieder aufbauen dürften, «und sie fühlen sich sowohl von der Regierung, aber auch von Kreis und Stadt im Stich gelassen.» Das sei auch eine Herausforderung für die Seelsorger, sagte Plum. Man wolle die Menschen motivieren und ihnen die Hoffnung geben: «Dieses Tal wird wieder aufgebaut, aber es braucht Zeit.»

© dpa
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