Studie: 2023 fehlen in NRW knapp 102.000 Kita-Plätze

Den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gibt es bereits seit 2013. Vielen Eltern aber nützt das nichts. Es gibt zu wenige Plätze auch in NRW - besonders für die ganz Kleinen.
Ein Kind spielt in einer Kita. © Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

Gemessen am Betreuungsbedarf fehlen laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung im kommenden Jahr in Nordrhein-Westfalen knapp 102.000 Kita-Plätze. Um die Nachfrage zu decken, müssten nach der Berechnung für den bundesweiten Ländermonitor Frühkindliche Bildung rund 24.400 Fachkräfte eingestellt werden. Dadurch entstünden zusätzliche Personalkosten von 1,1 Milliarden Euro, wie die Stiftung am Donnerstag mitteilte. Der seit 2013 in Deutschland geltende Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz lasse sich auch im Jahr 2023 somit nicht erfüllen.

«Das ist in doppelter Hinsicht untragbar: Die Eltern werden bei der Betreuung ihrer Kinder nicht unterstützt, während Kindern ihr Recht auf professionelle Begleitung in ihrer frühen Bildung vorenthalten wird», sagt Kathrin Bock-Famulla, Expertin für frühkindliche Bildung der Bertelsmann Stiftung.

Nach den Berechnungen sind die Deckungslücken je nach Alter der Kita-Kinder unterschiedlich groß. Bei den unter drei Jahre alten Kindern werden 30 Prozent betreut, Bedarf angemeldet haben aber die Eltern für 44 Prozent. Um die Lücke von 14 Prozentpunkten schließen zu können, müssten 72.600 neue Kitaplätze geschaffen werden. Für die Kinder ab drei Jahren liegt die Lücke laut Studie nur bei 4 Prozentpunkten. Hier wären 29.000 zusätzliche Plätze notwendig.

«Schon heute fehlen in vielen Kindertagesstätten in NRW Fach- und Ergänzungskräfte. In einigen Kommunen können neu errichtete Kitas nur teilweise öffnen, weil das erforderliche Personal fehlt. Daher ist die Landesregierung gefordert, kurzfristig weitere Maßnahmen zu ergreifen», sagt Tjark Sauer von der Gewerkschaft Verdi zum Ergebnis der Studie. Um dem Fachkräftemangel und der Belastungssituation sofort abzuhelfen, «muss das pädagogische Personal von weiteren nicht-pädagogischen Aufgaben entlastet werden», fordert Sauer vom Verdi-Landesbezirk NRW.

«Der Ausbau der Kinderbetreuung darf nicht an Fahrt verlieren - der Bedarf an Betreuungsplätzen ist groß und steigt weiter an. Und er betrifft nicht nur die Betreuung von Kita-Kindern, sondern auch die Betreuung an Grundschulen», sagte Helmut Dedy, Geschäftsführer des Städtetages NRW zum Ergebnis der Studie. Er befürchtet neben dem durch die Studie festgestellten Mangel an Kita-Plätzen sogar noch Schlimmeres. Unter Strich könnte sogar ein Minus der angebotenen Plätze stehen. Bund und Land müssten sofort Maßnahmen ergreifen, «die bis zum Sommer 2023 tatsächlich wirken. Sonst erleben wir nicht den so dringend nötigen Ausbau der Kinderbetreuung, sondern einen Rückgang der Betreuungsplätze».

Dedy verweist auf eine im September 2022 vom NRW-Familienministerium NRW gestarteten Fachkräfte-Initiative in den Sozial- und Erziehungsberufen. «Diese Initiative muss jetzt zügig zu konkreten Schritten führen, damit der weitere Ausbau der Kinderbetreuung nicht gefährdet wird», sagte Dedy laut Mitteilung.

© dpa
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