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«Arsch huh» bedauert Absage von Zentralrats-Vize Lehrer

Die Künstlerinitiative «Arsch huh» ruft zu einer Friedensdemo auf - und erntet viel Kritik. Der Aufruf und die Rednerliste sorgen für Ärger - der Vize des Zentralrats der Juden sagt seine Teilnahme ab.
Abraham Lehrer
Abraham Lehrer spricht mit Medienvertretern auf der Baustelle des jüdischen Synagogen- und Gemeindezentrums in Potsdam. © Monika Skolimowska/dpa

Die Veranstalter einer für Sonntag geplanten Friedenskundgebung in Köln haben mit Bedauern auf die Absage des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, reagiert. Lehrer, der auch Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Köln ist, hatte am Donnerstag seine Teilnahme an der Veranstaltung der Künstlerinitiative «Arsch huh» abgesagt, weil er den Aufruf dazu für «problematisch» halte. Die Terrororganisation Hamas und die israelische Armee würden in dem Text auf eine Ebene gestellt. Das werde er nicht mittragen.

Ein Sprecher von «Arsch huh» verwies am Freitag auf den Satz «Für uns sind das Existenzrecht und die Sicherheit Israels eine dauerhafte Verpflichtung», der sich im Aufruf finde. «Dazu gehört für die deutsche Gegenwart unser Bemühen, ein breites Bündnis gegen Rassismus und Antisemitismus zu schmieden. Wie schwer das ist, wird uns nun schmerzhaft bewusst», hieß es in der Mitteilung.

In dem von Lehrer kritisierten Aufruf heißt es unter anderem: «Wir trauern um die israelischen genauso wie um die palästinensischen Opfer und möchten mit unserer Kundgebung ein Zeichen der Solidarität mit beiden Völkern setzen. Weder kann Krieg für Sicherheit sorgen noch Terror für Befreiung.» Notwendig sei eine Friedenslösung auf der Grundlage des Existenzrechts beider Nationen.

Lehrer warf den Organisatoren vor, das Selbstverteidigungsrecht Israels zu leugnen. «Israel kämpft gegen eine Terrororganisation und bis diese nicht vernichtet ist, wird es keinen Frieden im Nahen Osten geben», schrieb er zur Begründung seiner Absage. Nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 sei jetzt die Zeit für eindeutige Solidarität mit Israel.

An der Friedenskundgebung «mit Musik und Wortbeiträgen» am Sonntagnachmittag sollen laut Einladung unter anderem FDP-Politiker Gerhard Baum, die Kabarettisten Jürgen Becker und Wilfried Schmickler, die Rockband Brings und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek teilnehmen.

«Ich verstehe, dass Abraham Lehrer seine Teilnahme abgesagt hat, aber es ist sehr sehr schade, dass unsere jüdischen Mitbürger hier nicht offiziell vertreten sind», teilte Baum der dpa mit. «Wir stehen an ihrer Seite.» Baum betonte, dass Israel das Völkerrecht auf Selbstverteidigung ausübe. Es sei unsäglich, die israelische Armee mit einer hemmungslosen Terrororgaisation gleichzusetzen.

«Arsch huh» verteidigte den geplanten Auftritt des ZMD-Vorsitzenden Mazyek bei der Veranstaltung. Denn dieser habe «die Muslime und Moscheegemeinden in Deutschland mehrfach aufgefordert, sich eindeutig gegen Antisemitismus in unserem Land zu positionieren». Lehrer hatte in seinem offenen Brief auch die Rednerliste als «schwierig» bezeichnet.

Mazyek teilte am Freitag mit, er verknüpfe seine Zusage «mit der Haltung für Frieden im Nahen Osten und der entschlossenen Ablehnung von Hass und Krieg». Er trete für das Existenzrecht der Israelis wie auch der Palästinenser ein und rufe zum sofortigen Stopp des Krieges auf. «An die Muslime, die diesen Sonntag teilnehmen möchten, richte ich die Botschaft: Kommt friedlich, ohne Propaganda und Fahnen, dafür mit einer gehörigen Portion kölscher und rheinischer unerschütterlicher Hoffnung auf ein Morgen ohne Waffen und Krieg.»

«Arsch huh, Zäng ussenander» (frei übersetzt: «Aufstehen und den Mund aufmachen») sieht sich als eine der einflussreichsten Künstler- und Musikerinitiativen gegen Rassismus und Neonazis. Bekannte Mitglieder sind etwa Wolfgang Niedecken (BAP) und die Bläck Fööss. 1992 hatte die Initiative in Köln rund 100 000 Menschen zu einer Demonstration gegen Rechts mobilisiert.

© dpa
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