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Anlage saugt Kohlendioxid aus Luft: «CO2-Staubsauger»

Kohlendioxid aus der Luft zu filtern, ist laut Internationaler Energieagentur die teuerste Art der CO2-Abscheidung. Ein Essener Start-up hat jetzt ein Verfahren entwickelt, das die Kosten deutlich senken soll. Eine Demo-Anlage ging am Dienstag an den Start.
Offizielle Inbetriebnahme eines
Das Foto zeigt den «CO2-Staubsauger». © Roland Weihrauch/dpa

Ein sogenannter CO2-Staubsauger ist am Dienstag in Essen in Betrieb genommen worden. Die Anlage filtert das Treibhausgas Kohlendioxid direkt aus der Atmosphäre, wie das Start-up Greenlyte Carbon Technologies (GCT) mitteilte. Das Kohlendioxid kann anschließend dauerhaft gespeichert oder weiterverwendet werden. Geplant sei bereits die Verwendung für die Bierherstellung durch eine lokale Brauerei und durch einen Betonsteinhersteller, sagte GCT Mitgründer und Geschäftsführer Florian Hildebrand (33).

Die etwa fünf Meter hohe «Greenberry 2» genannte Demonstrationsanlage sei mit einer Jahreskapazität von 100 Tonnen Kohlendioxid die bislang größte in Deutschland. Im kommenden Jahr will GCT solch eine Anlage erstmals vermarkten. Geplant ist ein Verkauf an ein Unternehmen in Kanada. Eine dritte Anlage will GCT im Rahmen eines Forschungsprojekts bauen. «Möglichst schnell» will GCT laut Hildebrand anschließend eine Anlage mit einer Kapazität von 1000 Tonnen bauen und verkaufen. Betrieben werden die Anlagen mit klimaneutral hergestelltem Strom etwa aus Wind- oder Sonnenenergie.

Weil bei dem Verfahren das Kohlendioxid direkt aus der Luft abgeschieden wird, wird es «Direct Air Capture» (DAC) genannt. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) waren im Juli weltweit erst 27 Anlagen in Betrieb und weitere 130 geplant. Die größte Anlage steht auf Island. Sie heißt «Orca» und hat nach Angaben des Herstellers Climeworks eine Kapazität von 4000 Tonnen CO2 pro Jahr.

GCT hat nach eigenen Angaben ein neuartiges DAC-Verfahren entwickelt, bei dem das Kohlendioxid zunächst in einer Lösung reagiert und in Form von Hydrogencarbonat ausfällt. In Wasser gelöst, kann dieser Stoff anschließend in einem Elektrolyseverfahren aufgespalten werden. Dabei fallen neben CO2 auch Wasserstoff und Sauerstoff an. Laut GCT kann mit dem Verfahren deutlich günstiger CO2 abgeschieden werden als mit herkömmlichen Verfahren.

Gegründet wurde das Start-up im September 2022 von zwei Seriengründern und einem Essener Carbon-Capture-Forscher. Wagniskapitalgeber stellten rund acht Millionen Euro zur Verfügung. GCT hat derzeit 20 Beschäftigte - und große Pläne: Bis 2050 wolle man Anlagen gebaut haben, die jährlich rund eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre holen können. Zum Vergleich: Laut Umweltbundesamt wurden in Deutschland 2022 insgesamt Treibhausgase freigesetzt, die umgerechnet 666 Millionen Tonnen Kohlendioxid entsprechen.

© dpa
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