Wohnungswirtschaft warnt: Optimismus ist verflogen

Ohnehin ist seit Jahren bezahlbarer Wohnraum knapp, jetzt könnte auch noch die Zahl der Neubau- und Sanierungsprojekte einbrechen, warnt ein großer Branchenverband. Und die Sorgen wegen explodierender Heizkosten? Dazu hat die Wohnungswirtschaft eine klare Botschaft.
Bauarbeiter stehen auf der Baustelle eines Mehrfamilienhauses. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Die Bauzinsen steigen, die Preise auch, Material und Handwerker sind knapp: Trotz ursprünglich erwarteter Rekordinvestitionen drohen Neubau und Sanierungen von Wohnungen im Nordwesten einzubrechen. Der Optimismus der Mitgliedsunternehmen in Niedersachsen und Bremen sei binnen weniger Wochen verflogen, die Baupläne wanderten zurück in die Schubladen, teilte der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VDW) am Dienstag mit. «Wir stehen vor den größten Herausforderungen seit Jahrzehnten, so schlimm war es in den letzten 40 Jahren nicht», sagte VDW-Chefin Susanne Schmitt. Gleichzeitig stiegen die Mieten im Nordwesten im vergangenen Jahr nur moderat.

Im laufenden Geschäftsjahr wollten die Wohnungsgenossenschaften und kommunalen Wohnungsgesellschaften 1,733 Milliarden Euro investieren - 842 Millionen Euro für den Neubau, 332 Millionen Euro für Instandhaltung und 559 Millionen Euro für Modernisierung, sagte Schmitt. 2021 waren es 1,445 Milliarden Euro unter den Verbandsmitgliedern - nach 1,12 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Aber das Geschäftsklima habe sich massiv eingetrübt: «Wie stark der Investitionsrückgang sein wird, lässt sich derzeit nicht seriös abschätzen.» Der Verband vertritt 178 Wohnungsunternehmen, in ihren rund 400.000 Wohnungen leben fast eine Million Menschen.

2021 stellten die Verbandsmitglieder 2038 Wohnungen fertig, im laufenden Jahr sollten es 2443 werden. Das dürfte wohl noch erreicht werden, sagte Schmitt. Ab 2023 allerdings rechne der Verband damit, dass die Neubauprojekte um bis zu 1500 Wohneinheiten jährlich einbrechen werden. «Viele Projekte wurden bereits auf Eis gelegt», erklärte sie. Das habe eine Mitgliederbefragung im Juni gezeigt - demnach werde «ein großer Teil von Neubau- und Sanierungsprojekten zurückgestellt oder sogar gestrichen».

Die Netto-Kaltmieten dagegen verharrten laut Verband auf einem «preisgünstigen Niveau», im Durchschnitt lag der Quadratmeterpreis 2021 bei 6,04 Euro - in Niedersachsen waren es 6,01 (2020: 5,71) Euro, in Bremen 6,15 (2020: 5,98) Euro je Quadratmeter. Die warmen Betriebskosten lagen 2021 durchschnittlich bei 1,07 Euro je Quadratmeter in Niedersachsen und 1,01 Euro je Quadratmeter in Bremen. Das sei aber bereits Makulatur, viele Unternehmen hätten die Vorauszahlungen teils deutlich heraufgesetzt, sagte Schmitt.

Sollten Mieter ihre Heizkosten angesichts der Energiekrise künftig nicht bezahlen können, werde die Wohnungswirtschaft nicht in der Lage sein, die Zahlungsausfälle aufzufangen, betonte Schmitt. Sie forderte Mieter zum Energiesparen auf - und mahnte einen Härtefallfonds für Betroffene an. Auch sprach sie sich gegen ein Kündigungsmoratorium zum Schutz säumiger Mieter aus. Es gebe Haushalte, die Energie sparten, aber auch solche mit extrem hohem Verbrauch: «Sparsame Mieter müssen keine Sorgen haben», betonte sie. «Man kann nicht oft genug dazu auffordern, zu sparen.»

© dpa
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